1. Kavi Rahasya Halayudha Ed. Ludwig Heller 1894
Page 1
Halâyudha's Kavirahasya ...
Ludwig Heller
Digitized by Google
Page 2
Y. 64-3372
Halâyudha's Kavirahasya.
Inaugural- Dissertation
zur
Erlangung der Doctorwurde
der
hohen philosophischen Fakultat der Georg-Angusts - Universität
zu Göttingen
vorgelegt
vớn
Ludwig Heller ans Travemunde.
Einleitung.
Gottingen 1894.
Druck der Dieterich'schen Univ .- Buchdruckerei (W. Fr. Kästner). vOV 46 183
Google -
Page 3
.6433. TAd L 3455.9 MARVARD COLLEGS NOV 13 1894 L!BRARY.
Tag der mundlichen Prüfung: 27. Juni 1893. Referent : Herr Professor Dr. Kielhorn.
Digitize Google
Page 4
Meiner guten Mutter
zum 60sten Geburtstage.
1*
Digitized by Google
Page 5
Digitize Google
Page 6
Bei der hohen philosophischen Fakultat zu Göttingen reichte ich im Juni 1893 eine kommentierte Ausgabe beider Recensionen des Kavirahasya als Promotionsschrift ein. Die hier gedruckten Blatter bilden die Einleitung zu dieser Arbeit. Texte, Anmerkungen u. s. w. werden in Indien erscheinen. Meinem hochverehrten Lehrer, Herrn Professor Kiel- horn, der mich in das Studium des Sanskrit einführte und mir auch die Anregung zu dieser Arbeit gab, möchte ich hier für treue Unterweisung und vaterliche Fürsorge öffentlich meinen herzlichsten Dank aussprechen.
Berlin, im Februar .1894. Ludwig Heller.
Digitize Google
Page 7
Digitized by Google
Page 8
I. Halâyudha's Kavirahasya gehört zur Literatur der Dhâtupátha, nimmt aber gegen- über andern Vertretern dieses Zweiges der Grammatik inso- fern eine Sonderstellung ein, als in ihm nicht, wie sonst üb- lich, die Wurzeln in ihrer upadeca-form gegeben werden, sondern flektiert, in der 3. sg. oder 3. pl. ind. praes. erscheinen. Am Besten lasst sich das Kavirahasya mit dem Bhatfi- kavya und Hemacandra's Caulukyadvyacraya verglei- chen. Denn wie in diesen beiden Werken die Geschichte des Râm a oder die Thaten der Caulukya - farsten besungen wer- den, mit der ausgesprochenen Absicht, dabei grammatische Regeln zu illustrieren, so haben wir hier ein Lobgedicht auf einen Konig Krshnaraja vom Dekkhan, mit dem Prin- cip, die Prasensbildung des Verbums zu veranschaulichen. Das Kavirahdsya besteht aus 299 Strophen. Abge- seben von 6 einleitenden und einer Schluss-strophe illustriert jede zwei oder mehrere gleich oder ahnlich lautende Wurzeln. Die Strophen stebn untereinander im allgemeinen nicht in logischem Zusammenhang. Jede bildet ein Ganzes für sich allein. Auch ist es mir nicht gelungen, ein etwa auf den Wurzeln fussendes Anordnungsprincip zu entdecken1). Jede Strophe enthalt mehrere Satzchen, die unter einander aller- dings in Gedankenzusammenbang zu stehn pflegen. Ausser dem eben beschriebenen Werke ist noch ein zweites, kürzeres, von 276 Strophen, auf uns gekommen, das
- ausser dass hie und da zwei im Dhâtupatha auf einander folgende Wurzeln in zwei auf einander folgenden Strophen illustriert sind.
?
Digitized by Google
Page 9
8
gleichfalls den Namen Halayudha's Kavirahasya tragt'). Ich nenne das langere a, das kürzere ß. Die beiden Schrift- chen stehn in der allerengsten Beziehung zu einander, ibr Charakter ist durchaus der gleiche. Ungefahr 50 Strophen aus a, darunter die meisten der einleitenden, finden sich un- verändert in ß wieder, andere in mehr oder minder modifi- cierter Form. Einige korrespondierende Strophen haben schliesslich nichts weiter mit einander gemein als eine oder, zwei Verbalformen. In jedem der beiden Werke findet sich ausserdem ein Rest von Strophen, zu denen das andere nichts Entsprechendes aufzuweisen hat. Eine Aehnlichkeit zwischen den Recensionen besteht auch darin, dass im Anfang beider Werke eine grössere Anzahl von Verbalformen in den ein- zelnen Strophen erscheint; die Zahl wird immer kleiner und sinkt bis auf 2; zum Schluss treten dann noch einmal 4 Formen in jeder Strophe auf. Von diesen 4 Wurzeln sind aber immer nur je 2 durch Gleichklaug oder Aehnlichkeit verbunden; das gilt fur a wie fur ß. So enthalt z. B. a, 286: namuti, namasyati, rdhyati, rdhnoti u. s. w. Grosse Uebereinstimmung zwischen a und ß herrscht ferner bei der Verteilung der Metra auf die einzelnen Partien des Werkes. Beide Recen- sionen verwenden im Anfang überwiegend langere Strophen- formen, spåter nur epische Çloken. - Nur die Reihenfolge der einander entsprechenden Strophen ist recht verschieden. Aber auch in ß herrscht kein Anordnungsprincip. Es besteht auch hier weder zwischen den ausgesprochenen Gedanken noch zwischen den dargestellten Wurzeln irgend ein fort- laufender Zusammenhang*). Es entsteht nun zunächst für uns die Aufgabe, festzu- stellen, welche von beiden Recensionen als die ursprüngliche zu gelten hat. Ist a das eigentliche Kavirahasya, und ß eine spåtere Nachbildung desselben ? oder umgekebrt? Da auf den ersten Blick Anlage und Ausführung beider Werke völlig homogen erscheinen, so müssen wir nach Einzel- heiten suchen, die uns feste Anhaltspunkte zu gewahren im
- Ueber die Schlussstrophe s. u. 2) Die,für a in der Note auf S. 7 gemachte Ausnahme gilt auch für ß.
Digitized by Google -
Page 10
9
stande sind. An solchen Argumenten fehlt es nun zum Glück nicht, so dass wir die Prioritatsfrage mit Sicherheit zu Gunsten von a, der langeren Recension, entscheiden können. Wir habenina das priusund in 6das posterius voruns. Die Gründe für diese Behauptung sind folgende: In ß lautet Str. 182: yo na vañcayate kamcit sadá satyaparâyanah | vañcanti ca çaraccandraçucayo dikshu yadgunáh l „Er (Konig Krshna) tauscht niemanden, da ihm immer vor allem die Wahrbeit am Herzen liegt; und seine Tu- genden, lauter wie der Herbstmond, schweifen in alle Himmelsrichtungen (sind überall bekannt)“. Die entsprechende Strophe in a (235) lautet: vañcanti yadguná dikshu çaraccandrâmçunirmaláh | vaňcayante cakorámç ca jyotsnápánakrtodyamán / „Es schweifen seine Tugenden, lauter wie die Strahlen des Herbstmondes, in alle Himmelsrichtungen, und tauschen s0 die Cakoravögel, die bemüht sind, Mondstrahlen einzu- schlürfen“. Da haben wir also in a eine Strophe, wie sie auch bei Kâlidasa stehn konnte, ein echt indisches Bild, beruhend auf der Anschauung, dass die Cakoravögel sich von Mond- strahlen nähren. Statt des geschlossenen Gedankens finden wir in ß zwei unvermittelt neben einander gestellte Satze: „er täuscht niemanden“, „seine Tugenden schweifen in alle Himmelsrichtungen“; und zu den Tugenden das auffallige Beiwort ,lauter wie der Herbstmond“. Niemand wird be- haupten, dass diese beiden abgerissenen Satze das prius gewesen seien, und dass aus ihnen dann, fussend aufdem Epithetoncaraccandracucayah, bei dem noch dazu der Begriff der Strahlen fehlt, der einheitliche, in sich geschlossene Satz mit dem voll ausgeführten Bilde von den mondstrahldürstenden Cakoravögeln entstanden sei. Wir haben vielmehr in ß einen letzten durch Verstümmelung un- kenntlich und unverstandlich gewordenen Rest dieses Bildes vor uns. Wie der Ausdruck caraccandraçucayah in die ß-Strophe hineinkommen konnte, wird uns
Digitized by Google
Page 11
10
aberhaupt erst klar, wenn wir die a-Strophe kennen. Dieses eine Beispiel wurde genugen, die Posterioritat von ß darzuthun. Allein es wird noch unterstützt durch eine Reihe anderer Argumente: ß 17 wird gesagt: Der jalaranku schreit (oder singt) so herzerfreuend wie der Liebesgenuss mit einer von Man- matha berauschten Geliebten (kvanati ca jalarankur Man- ma thonmattakântåratirasaramantyam1). Das ist barer Un- sinn! Wie soll ein Autor, und sei er ein Versifex traurig- ster Art, ohne irgend einen Anhaltspunkt, aus freier Erfin- dung, auf den Gedanken kommen, die Stimme eines Vo- gels mit dem Liebesgenuss zu vergleichen. Es fehlt ja jegliche Beziehung zwischen den beiden verglichenen Be- griffen. Dass und wie dieser Satz entstehn konnte, wird uns auch hier erst klar, wenn wir entsprechende Strophen in a anseben; in a wird der Schrei des Vogels mit dem Laute verglichen, den eine Frau beim Liebesgenuss aus- stösst (a, 33: rutonmadakáminimanitamadhurum knúyante ca kvacij jalarankavah; a, 43 Karņatisuratasvaranukaranaih koyashtikah kujati) Das ist verstandlich! In a haben wir das Richtige und Ursprüngliche vor uns. Die ß-Strophe enthalt eine ungenaue und verschwommene Wiedergabe des in a ausgesprochenen Gedankens. ß, 44: bánávalim kiraty ájuu karoti çaramandalam; „eine Schar von Pfeilen entsendet er im Kampfe und stellt so einen Kreis von Geschossen her“. Das liesse sich zur Not erklaren. a, 55 steht aber mandupam statt mandalam. Also eine Halle von Pfeilen stellt er her, d. h. seine Geschosse fliegen so dicht, dass sie gleichsam ein Gewolbe bilden; der Raum zwischen dem Könige und seinen Feinden ist überdacht mit einer gewölbten Decke fliegender Pfeile. Da ist selbstverständlich aus dem doch immerhin selteneren Worte mandupam das ordinare mandalam geworden. a, 282: sâhládam hlápayati (er redet freundlich an); ß, 197 sâhlâdam lâpayaty (G. jâpayaty). Die Prioritat der
- L. T. °cittânavarata° statt kântâratirasa°.
Digitize Google
Page 12
11
Lesart von a ist gesichert durch anuprâsa (hl). Die Dhd- tupátha, wenigstens so weit sie mir zuganglich sind, führen als curâdi-Wurzel nur hlap, nicht lap, auf. Wie leicht konnte in Anlehnung an das vorausgehende lapati in ß ein lâpayaty entstehen ! So tragt auch a, 266: bhanakti bhamininam ') ca drshtya månam Anangavat den Stempel der Ursprünglichkeit ge- genüber ß 133: kamininám statt bhamininám. bhâmininám alliteriert mit bhanakti. Das nicht so haufige Wort ist in ß durch das gewöhnliche kâmininám ersetzt. B, 48 sarvyasam kariņi muncati kankapattram yaç ca pramocayuti cuñcalam açvakâye (B. teshv asadarthakâ ye L. T. F. pâpacayañ ca kâye) „den ganz eisernen kankapattra (eine Art Pfeil) schiesst er auf den Elephanten, und er entsendet den unsteten (nämlich kankapattram, so muss man doch er- ganzen) auf den Leib der Rosse“. a, 60 hat statt cancalam aber tadbalam, ein sehr seltenes (nur in Halayudha's Abhi- dhânarat namal a und dem von ihr abhangigen Abhidha- nacintâmani des Hemacandra belegtes), und infolge seiner Form sicher leicht zu Missverstandnissen anlassgeben- des Wort für eine besondere Pfeilart. Dass tadbala das Ur- sprüngliche ist, bedarf keiner Auseinandersetzung. Ebenso liegt es am Tage, dass wir a, 31 udghattate na paramarma sa dharmaçilah („nicht berübrt er, der Tugend- hafte, mit hartem Schlage die Achillesferse seines Nachsten“) in marma die alte Lesart vor uns haben gegenüber einem in ß, 165 überlieferten dharmam (oder gar karma C. A. Bhs. G.), udghattute na kasyâpi dharmam (karma) dharmaparâyanah („nicht verletzt er irgendjemandes Recht, er, dem vor allem das Recht am Herzen liegt“). Die letzten fünf Falle haben - das sei nicht verschwiegen - nicht die absolute Be- weiskraft wie der erste und zweite. Es könnte jemand sagen: mandalam, lâpayaty, kâmininam, cancalam, dhar- mam sind nicht ursprungliches Gut von ß; der B-Verfasser hat mandapam, hlápayaty, bhámininâm, tadbalam, marma geschrieben; erst eine spatere Handschrift hat daraus
- D. mânininss.
Digitized by Google
Page 13
12
mandalam, lâpayaty, kâmininâm, cañcalam, dharmam (karma) gemacht. Ein Grund für diese Annahme ist jedoch durch- aus nicht vorhanden. Schliesslich sei noch auf folgende beiden Strophen hin- gewiesen : B, 217: urjanti vividhabhiç ca bhrântibhir yasya varanâh | ûrjuyanti padâtayab | „Es gedeihen durch mannigfaches Umherschweifen seine Elephanten, es gedeihen ... seine Fusssoldaten“. Welcher Gedanke dem etwas sehr allgemeinen Ausdruck „durch man- nigfaches Umherschweifen“ aller Wahrscheinlichkeit nach zu Grunde liegt, wird deutlich, wenn wir die betreffende Strophe in a vergleichen (263): yasyorjati gujánikam úrjayanti ca vūjinah | yatheshtam pararashtreshu carantah sasyaçākatam || „Es gedeiht seine Elepbantenschar, und es gedeiben seine Rosse, da sie nach Herzenslust auf dem Getreidefeld in Feindesland sich tummeln können“. Sehr künstlich ware die Annabme, dass die verschwommene Begründung vividhabhir bhrantibhih“ der Ausgangspunkt für das klare „yatheshtam pararâshtreshu carantah sasyaçakatam“ gewesen sei. Leicht dagegen ist die Annahme, dass vividhabhir bhrantibhih eine kurze, aber ungeschickte Wiedergabe der in a gegebenen Begründung sei. Doch ist diese Stelle nicht absolut bewei- send, da schliesslich mit „vividhabhir bhrantibhih" auch et- was Anderes gemeint sein könnte, z. B. dass vielfaches Um- hertummeln in Kriegszügen die Kraft seiner Elephanten stahle. Dann brauchte eben kein innerer Zusammenhang zwischen der Wendung in a und der in 6 zu bestehn. Begrundet ist diese letzte Annahme durch nichts. Schon Bhan darkar fuhrt (Report für 1883-84, pag. 9) einen Grund dafür an, dass die kürzere Recension eine spatere Korruption sei. Er sagt: „I must, however, not omit to mention that the Maratha copy [kurz. Rec.] of the Kavira- hasya omits the expression „Rashtrakutakulodbhavam" [a, 164; var. lect .: lodvaham] and reads the whole verse very differently [6, 207]. Similarly, instead of „Soma vam-
Digitize Google
Page 14
18
çavibhushanah" [a, 181]1) we have in that copy „paralokaji- gishayah(ya) [6, 244]. But these must be regarded as later' corruptions. For if the names of the Rashtrakuta fa- mily and the Soma race did not exist in the text as Halayudha wrote it, nobody could have afterwards added them. Corruption must proceed from what is particular to what is general or from one generality to another, bnt not from what is general to what is particular. There can be nothing to lead a later reader or writer to introduce such a particular name as Râshtrakuta". Diese Erwa- gung hat etwas sehr Ansprechendes, und kann recht als Stütze anderer Argumente verwandt werden. Doch, das dürfen wir uns nicht verbehlen, ein strikter Beweis ist durch sie allein noch nicht erbracht; denn es ware, wenn auch durchaus nicht wahrscheinlich, so doch schliesslich moglich, dass ein spaterer Autor die Ausdrucke Rashtrakutakulo- dbhavam ('lodvaham) und Som a v amçatibhushanah bei seiner Nachbildung einführte, naturlich nur unter der Voraussetzung, dass er noch wusste, wer mit Konig Krshna vom Dekkhan gemeint sei. Dann sei noch kurz auf: einen wichtigen Umstand hin- gewiesen, von dem sich jeder leicht selbst überzeugen kann: der Stil von p ist im allgemeinen schlechter und die Gedanken sind matter als in a. Jeder, der unbefangen eine Reihe einander entsprechender Strophen vergleicht, wird, unabhängig yon allen angeführten Gründen, den Eindruck gewinnen, dass p ein inferiores Machwerk ist. Wir haben also ausser scharf beweisenden Gründen eine Reihe von Thatsachen, die, wenn man sie schlicht und natürlich deutet, das durch die Gründe erwiesene Faktum bestatigen:
- ebenda: „in another [verse] he is called „the ornament of the Lunar race" (Soma vancaribhushana), and we know from the Khare- pafan plates that the Rashtrakutas who ruled over the Dekkan wero considered to have belonged to the family of Yadu which was an offshoot of the Lunar race".
Digitized by Google
Page 15
14
a ist das ursprüngliche Werk, ß ein sp&- teres Produkt. Die Frage nach der Entstehungsart der jüngeren Recension lasst sich leider nicht so einfach und sicher losen wie die Prioritatsfrage. Wir bleiben hier auf eine Hypothese angewiesen. Eine Depravation auf dem Wege des Abschreibens ist - das lehrt ein flüchtiger Blick in die beiden Texte - völlig ausgeschlossen; dazu ist die Entstellung viel zu umfangreich. Wir haben eine Neu- schöpfung vor uns. Da lage es also am nachsten, eine Be- arbeitung anzunehmen. Jede solche Bearbeitung muss aber doch von irgend einem Gésichtspunkte aus geschehen. Nun ist allerdings manches Wurzelmaterial fortgelassen, einiges neu hinzugekommen; allein abgesehen davon findet sich eine Masse völlig willkürlicher, durch nichts begründeter Veran- derungen sowohl innerhalb der einander entsprechenden Strophen als auch in der Reihenfolge derselben, so dass mir die Annahme einer Bearbeitung durchaus nicht in den Sinn will. Ich sehe nicht, was jemanden bewogen haben könnte, ein derartiges zweckloses Durcheinanderwerfen und Umgestalten vorzunehmen. Ich möchte nun auf eine naheliegende Vermu- tung hinweisen. Das Kavirahasya wird ein Schulbuch gewesen und deshalb viel auswendig gelernt sein; es macht den Schüler vermittelst einer bequemen pådagogischen Me- thode mit Form und Bedeutung einer Anzahl von Verben bekannt. Sollten wir nun in der jüngeren Recension einen Versuch vor uns haben, das Kavirahasya aus dem Kopfe * niederzuschreiben? Das ging mit den ersten Strophen ganz gut; bekanntlich weiss man von memorierten Dingen den Anfang gewöhnlich am besten. Daher stimmen die beiden Recensionen in den einleitenden Partien ziemlich gut zusam- men. Nachher liess aber den Schreiber sein Gedachtnis im Stiche; und nun gestaltete er nach eigenem Ermessen, in star- ker Anlehnung an seine zahlreichen Reminiscenzen aus dem Kavirahasya. Auch an der Verteilung der Metra und an der Zahl der in den einzelnen Strophen illustrierten Wurzeln hielt er im grossen Ganzen fest (s. o.). Ich glaube, diese Hypothese gewinnt bei naherer Be-
Digitize Google
Page 16
15
trachtung korrespondierender Strophen bedeutend an Wahr- scheinlichkeit. Absichtlich wird doch wohl kaum jemand die oben erwahnte a-Strophe von den Cakoravögeln, wenn sie ihm vorliegt, in die matte ß- Strophe umwandeln. Der Verfasser der jüngeren Recension hatte eben nur eine dunkle Ahnung, dass im Kavirahasya an der betreffenden Stelle vom Herbstmonde die Rede war, obne den Gedanken scharf in der Erinnerung zu haben. Nur so konnte er dazu kommen, den Tugenden das Epitheton çaraccandraçucayah zu geben.
Nach Bhândârkar a. a. O. überwiegt die langere Recension in einem Landstrich, die kürzere in einem andern (the text of the Kavirahasya prevailing in one part of the country differs widely from that in use in another). Das von Bhândarkar benutzte Ms. der langeren Recension stammt aus Påtân in Gujarat, das der kürzeren aus . dem Marâpha-Lande1).
Wann wurde das Kavirahasya verfasst ? Das Werkchen ist, wie schon erwahnt, ein Lobgedicht auf einen Konig Krshnaraja vom Dekkhan (s. a, 6). Westergaard nahm nun an, dass es sich um den be- kannten Konig Krshna von Vijayanagara (Westerg .: Vidyan°) handele, und setzte das Kavirahasya in den Anfang des 16. Jh. A. D. (Rad. sanscr. praef. VII). Dass diese Annahme falsch ist, hat Bhandarkar (Report 8) uberzeugend dargethan. Der Heros des Kavirahasya wird namlich ein Spross des Râshtrakuta - geschlechtes genannt (s. o.), eine Bezeichnung, die auf Konig Krshna von Vijayanagara nicht passt. Es hat im Dekkhan drei Könige namens Krshņa aus der Rashtrakutafamilie gegeben, namlich : Krshna I (um 753-775 A. D.), Krshņa II (bezeugt 875, 902 und 911 A. D.), Krshna III (bezeugt von 940 bis 956 A. D.), (s. Bhandarkar Earl. hist. Dekk. pag. 57, und Epigr.
- Beide sind in einer Abschrift für diese Arbeit verwandt (s. t).
Digitized by Google
Page 17
16
Ind. Vol. Il pag. 168). Zu Ehren eines derselben muss das Kuvirahasya gedichtet sein. Bhandarkar neigt zu der Ansicht, dass Krshna I gemeint sei. Zur Begründung dieser Annahme bemerkt er: das Kavirahasya, das zwei Recensionen aufzuweisen hatte, die ebenso betrachtlich, wenn nicht noch starker, von einander divergierten als die Devanâgari- und die Gaudi-Recension des Çakuntala, müsse notwendig ein verhaltnismassig hohes Alter haben. Ich mochte mich so ausdrucken : Gesetzt, Bhandarkar's Grundsatz ist richtig, so zwingt uns der Umstand, dass grade die jungere Recension des Kavirahasya wieder ganz erhebliche, tief einschneidende Textdifferenzen in ihren ein- zelnen Handschriftengruppen aufweist, dazu, schon ihr eine frühe Abfassungszeit zuzuweisen, um wie viel mebr der al- teren Recension, ganz abgesehen von den chronologischen Anhaltspunkteu, die wir thatsachlich haben. Allein diese Ueberlegung dürfte uns kaum berechtigen, ein Urteil darüber zu fallen, ob das Kavirahasya nun vor 900 oder vor 1100 Jabren entstanden ist. Beide Zeitpunkte lassen sich für unsern Fall als relativ früh bezeichnen. So sagt denn auch Bühler (Ind. Ant. XVIII, 185") mit Recht: ,which of the three Rashtrakutu Krshnaraja's is the theme of Halâyudha's laudation, cannot be determined for the pre- sent. It may have been Krshnaraja I, as Dr. Bhândâr- kar thinks, but there is no proof for the assertion". Das Kavirahasya selbst enthalt keine weiteren Angaben, die für eine genauere chronologische Bestimmung verwendbar waren. Der König war zur Zeit der Abfassung des Werkes noch ein junger Mann, denn es scheint mir kein Grund vor- zuliegen, an der Richtigkeit der in a, 120 gemachten An- gabe zu zweifeln'). a, 139 wird darauf hingewiesen, dass Krshņaraja die Residenz des Malaya-Fürsten in Flam- men aufgehn liess. Von einer Besiegung der Malaya durch einen der drei in Frage kommenden Konige wissen wir nichts. Nahe liegt der Verdacht, dass es sich hier lediglich um
- 120: stambhate purushah prâyo yauvanena dhanena ca | na stabhnati kshitico 'pi na stabhnoti yuvapy asa ll
Digitized by Google
Page 18
17 eine Prahlerei handle, wie sie bei indischen Panegyrikern so be- :liebt ist. Welcher von den drei Krshna im Kavirahasya ge- .priesen wird, muss also zunachst in dubio bleiben; und wir haben für die Entstehungszeit des Werkes einen Spielraum etwa von der 2ten Halfte des 8. bis zur 2ten Halfte des 10. Jahrhunderts. Bhandarkar sagt (Rep. 8 ff.), Halayudha müsse zu einer Zeit gelebt haben, wo das Andenken an einen der drei Krshna noch frisch gewesen sei. Nein, das Kavi- rahasya ist bei Lebzeiten des gefeierten Fürsten gedichtet. Es lag doch naher, dass der indische Gelehrte den regierenden Herrscher zum Gegenstande seiner Lobes- erhebungen machte, als dass er dazu einen Vorfahren des- 'selben wahlte. Dann wird der König ja, wie wir eben gesehen haben, „jung“ genannt; und schliesslich ist doch das ganze Werk im Prasens abgefasst : a, 6: asty Agasty amunijyotsnapavitre Dakshinapathe.| Krshņaraja iti khyato raja samrajyadtkshitab I Für. das jüngere Kavirahusya kann ich mit Sicher- heit nur behaupten, dass es vor 1639 A. D. entstanden ist. Durgadasacarman, der in jenem Jahre einen Kom- mentar, betitelt Dhatudipikd, zu Vopadeva's Kavi- kalpadruma verfasste, erwahnt, dass Halâyudha die Wurzel kleça mit sh statt mit ç schreibe (s. Westergaard, Rad. § 16, 6). Diese Wurzel kommt nur in der jüngeren -Re- cension vor. Durgadasa's Angabe .wird ubrigens auf einer falschen Lesart beruhen. Die mir für 6 zu Gebote stebnden Quellen bieten alle ç, was such zu andern Wurzel- wörterbüchern stimmt1). Ich neige; namentlich auf Grund der schon erwahnten sebr bedeutenden Textdifferenzen in den Handschriften des jangeren Kavirahasya, zu der Ansicht, dass. wir auch diesem Werke eine verhaltnismässig frühe Entstehungszeit . 1) In dem weiter unten besprochenen alten Calcuttaer Druck (saswat 1887) der jungeren Recension findet sich neben Vopadeva's Dhatu- paha aach ein Abdruck einer Dhatupathadtpikd des Durga dasa. Ich habe darin keinen Hinweis auf das Kavirahasya finden konnen .*
Digitized by Google
Page 19
18
zuschreiben müssen. Bisweilen könnte man versucht sein, in der jüngeren Recension schon Einfluss Vopadeva's (13. Jh.) anzunehmen. Sicheres lasst sich darüber aber schwer sagen. Vopadeva's Dhâtupâtha ist ein kritikloses Konglomerat von allen möglichen Wurzelvarianten, so dass man behaupten kann: alle bei den einzelnen Grammatikern erscheinenden verschiedenen Auffassungen über Form u. s. w. einer Wurzel finden sich im Kavikalpadruma vereinigt. Ob also in den Fallen, wo bemerkenswerte Übereinstimmungen mit Vo- padeva vorliegen, Bekanntschaft mit Vopadeva auch wirk- lich die Ursache gewesen ist, wer bürgt dafür? Auch in Ramanatha's Manorama, einer A. D. 1536/37 geschriebenen Glosse zum Dhâtupatha der Ka- tantra -Grammatik, wird nach Westergaard's Angabe (Rad. praef. VII) das Kavirahasya citiert. Ob es sich hier um die altere oder die jüngere Recension handelt, weiss ich nicht. Ferner wird das Kavirahasya - ob a oder B kann ich- auch hier nicht feststellen - von Maheçvara in seiner Vamanalankaratika angefubrt (s. Aufrecht, Catal. catal. pg. 87b). Wir wissen ;bis jetzt noch nicht, aus welcher Zeit dieses Werk stammt. Bemerkt sei noch, dass Bhattojidikshita in sei- ner Siddhantakaumudt (17. Jh.) eine Strophe des Kavirahasya anführt: 8, 8 = a, 11, und zwar mit der Variante campaka statt kesara, die sich in einigen Hand- schriften der Recension 8 (A. Bhf) findet. Die Ausgaben der Si. kau. stimmen in diesem Punkte überein ').
Wer ist der Verfasser des alteren Kavirahasya? Der Name Haldyudha spielt in der wissenschaft- lichen Literatur der Inder keine unbedeutende Rolle. Für uns kommen hier nur in Betracht der Lexikograph, Verfasser der Abhidhanaratnamala, und der Metriker, der einen
- Die Angabe, dass Katayavema, der Scholiast der Deva- nâgari- Recension des Çakuntala, Halâyudha, den Verf. des Kavirahasya, citiere (Böhtlingk, Çåk. IX) beruht auf Ver- sehen. (Pischel, De gramm. pracr. 18/19). -
Digitized by Google
Page 20
19
Kommentar, betitelt Mrtasamjtvant, zum Chandahsutra des Piñgala schrieb, da wir bis jetzt nur über diese bei- den Vertreter des Namens soweit orientiert sind, dass Schlüsse auf ihre Persönlichkeit und ibre Lebenszeit möglich sind. Ohne weiteres müssen wir von unserm Halayudha fern- halten den gleichnamigen Juristen, der Minister des Königs Lakshmanasena von Bengalen. war. Wir wissen jetzt, dass Lakshmanasena im 12. Jh. regierte (s. Kielhorn, Ind. Ant. XIX, 1 ffg.)1). Ferner kommt in Wegfall ein in Verbindung mit dem Puranasarvasva genannter Ha- lâyudha, 1474/75 A.D. 3). 1) Rajendralala Mitra (Notices 2, 78 fg.) identificierte ohne weiteres den Juristen, den Lexikographen, den Metriker und den Ver- fasser des Kavirahasya. Ihm folgt Viçvanatha Çastrin in der Einleitung z0 seiner Ausgabe der Mrtasanjivant (Calc. 1874. Bibl. Ind.); er sagt: Halayudha bhatto hi Cri-Bhatta-Nar dy an anvaye prasuta | asya janakaj Çri- Dhananjayabhattah | asyaparabhi- dhanam Pusha iti | anena Nighantur eko riracitah | Çri-Vangadhip Adisuren anitapancabrahmanesho ekatamo Bhatta- Nârâyanah | as- mâd dvádaçapurusho Halâyudhabhatta iti Ghatakârika pra- siddhah | Brahmanasarvasvagrantharambhe Halayudhena svalpo nijarrttánto vinyasto yathá | asádháranadhisampattiprabhávato nikhi- lavidyápárácárapárangatatcád cividhasadgunádháratayá ca Çr í- La- kshmanasen anrpatir bâlya evâsmai rájapanditapadam yauvane man- tripadai yauranánte ca dharmádhikáripadam pradadáv iti | ayam La- kshmanasenah Criyukta- Babu- Rajendralala- Mitrasya gana- nânusárena krishtiyadvâdaçaçatabdiprarambhe virajita- vân | ata cra Halâyudho 'pi dradaçacatabdiprârambha- kâlikapandita iti mantaryam | Halâyudhas tu viridhavidyd- viçárada ásit | ato 'nena bahavah sadgrantháh krtah | tanmadhye Brå- hmanasarvasrai Panditasarvascam Çivasarvasvam Nyayasarrasvam Matsyasuktasarvasvam Abhidhana- ratnamala Karirahasyanamakam cyâkaranam cety ete granthah surikhyatah #| - Ebenso kennt Sourindro Mohun Ta- gore (in seiner Einleitung zum Abdruck des jungern Kavirahasya s. u.) nur einen Halayudha, Minister des Lakshmanasena, Sohn des Dhanamjaya, Enkel im 16ten Gliede von Bhatta- Na- rayana, einem der funf Brahmanen, die Konig Adisura (Tagore schreibt Adiçura) zur Vollziehung eines Opfers rufen liess. Diesem Halayudha schreibt er alle die Werke, auch die Pingalacchan doviorti, zu, und setzt ibn ans Ende des 11. Jh. A. D. 2) Ueber das oder die Purâpasarvasva betitelten Werko 2*
Digitized by Google
Page 21
.20
Es erhebt sich nun die Frage: ist der Verfasser des altern Kavirahasya vielleicht mit dem Lexikographen oder dem Metriker identisch? Uber die Entstebungszeit der Abhidhanaratnamald wissen wir leider noch recht wenig. Aufrecht (pref. VI fg.) hat dargethan, dass sie alter als der Abhidhanacinta- mani des Hemacandra (1088-1172 A. D.) ist; und Bühler (Ind. Ant. XVIII, 185e). halt es fur wabrscheinlich, dass sie von Yâduvaprakaca bei Abfassung seiner Vai- jayanti (um 1000 A. D.) benutzt worden sei. Wir können also nicht viel mehr sagen, als dass der Lexikograph etwa gegen Ende des ersten Jahrtausends nach Chr. gelebt habe. Bhandarkar halt es, wie mir scheint, mit gutem Grunde, fur wabrscheinlich, dass der Verfasser des Kaviraha- sy a und der Verfasser der Abhidhanaratnamala eine Per- son seien. Er sagt (Report p. 9): ,Probably our Halayudha -was the same as the author of the Abhidhanaratnamala. -For, in the first place, the two works are on kindred sub- jects, and in the next, Halayudha, the author of the Kavirahasya, is in the last verse of the Maratha copy called 'sadabhidhananidhâna' or 'the store of good names'. And he must be supposed to be spoken of thus in two senses; first, in the sense of his name being a good name, and se- condly, in so far as he compiled a thesaurus; and probably, by the word sadabhidhana's 'good names' the Abhidhanaratna's or 'gems in the shape of names', of which we have a necklace in the Abhidhanaratnamala, are referred to. In the third place, a connection has been established between both the works and Kavis or poets. The 'necklace of gems in the shape of names' was, we are told in the second verse, prepared for adorning the neck of a Kavi (kavikanthavibhusha- nartham), and the second work is 'the secret [that leads to the success] of a Kuvi". Bühler (Ind. Ant. XVIII, 185ª) stimmt Bhandarkar bei. Auch mir scheinen die Grunde recht gewichtig. Zum ersten und dritten habe ich nichts herrscht nicht volle Klarbeit in den Katalogen; s. Aufrecht, Catal. catal. s. v. Purânasarvasva (Râjendralâla Mitr.a, Not. No. 2068 883; Aufrecht, Oxf. 84b).
Gbogle
Page 22
21
hinzuzufügen; zum zweiten möchte ich Folgendes bemerken. Die von Bhandarkar erwahnte Schlussstrophe findet sich - und das ist wesentlich - nicht nur in der 'Maratha copy' (jang. Rec.), sondern auch in einer Hdschr. (D) der altern Recension. Statt des in ß überlieferten 'sadabhidhananidhana- Halayudhadvijavarasya' steht nun in D 'sadabhidhana- Halâyudhasamjñakadvijavarasya'. Für diese Erscheinung liessen sich wohl a priori drei Er- klarungen denken. Erstens - doch das ist mir völlig un- wahrscheinlich - konnte jemand sagen: „Die Strophe fehlt in der Hdschr. Bü, die den Text mit dem Komm. r bietet, fehlt in Bha, die den Text und zwei nicht zum Werke selbst gehörige, mit Komm. r gemeinsame Schlussstrophen bietet, fehlt ferner in dem zu r in engster Beziehung stehnden Komm. r'. (Auf r' ist übrigens kein zu grosses Gewicht zu legen, da er auch die Einleitung fortlasst, d. h. nur die Strophen behandelt, in denen Wurzeln illustriert werden. r schliesst: çriçabdah (a, 298) samâptau mangalârthah | iti Ka- virahasya tikâvucurih.) Bezeugt ist also die fragliche Schlussstrophe nur in D, folglich wird sie unecht sein, d. h. nicht ursprünglich zu a gehören, sondern zu ß, und dann spåter - vielleicht von efnem Besitzer beider Recensionen - aus einer ß-Handschrift an das Ende einer a-Handschrift geschrieben sein. Aus sadabhidhananidhana - Haldyudha- dvijavarasya ist nun ·- wann, bleibt gleichgiltig - sadabhi- dhâna-Halâ yudha samjnakadvijavarasya geworden". Diese Annahme scheint mir sehr künstlich. Man muss vor allem darauf erwidern: wie kommt denn der Kommentator (r) dazu, das Werk Halâyudha's Kavirahasya zu nennen? wo- her wusste er das ?; und ferner, wir hatten in der altern Recension ein Werk vor uns, das weder seinen Titel noch seinen Verfasser nennt. Gesetzt aber, es steift sich jemand auf die oben entwickelte, geschraubte Annahme, so konnte er sich doch der Stichhaltigkeit des zweiten Bhandar- kar'schen Grundes für die Identitat nicht ganz verschliessen, sondern er müsste sagen: dem Autor der jüngeren Recension war - sei es durch eigene Kenntnis oder durch Tradition
Digitized by Google
Page 23
22
- wohl die Persönlichkeit des Haldyudha noch bekannt'), und er konnte deshalb den Ausdruck: sadabhidhânanidhâna- Halâyudha gebranchen, der doch thatsachlich einer An- spielung auf die Abhidhanaratnamald recht ahnlich sieht *). Die zweite Annahme ware folgende: Die Schlussstrophe in D ist echt und zwar mit der überlieferten Lesart: sada- bhidhana - Halayudhasamjnakao. ß hat eine spatere Än- derung, eine Verbesserung, und zwar eine sehr gute, denn niemand wird leugnen, dass ß's Lesung viel pragnanter und echt indisch ist. Das pflegt nun sonst nicht der Fall zu sein, dass ß einen so entschieden bessern Ausdruck als a hat. Grade Alliteration und Assonanz sind zwei der haupt- sachlichsten Kunstmittel des Verfassers der altern Recen- sion. Und hier an einer Kardinalstelle, wo er seinen Namen anbringt, sollte er sich diesen Schmuck der Rede versagt haben, wahrend ein spaterer Nachbildner, der an technischem Können weit unter ihm steht, grade hier einen schönen, so ganz dem Stil des a-Verfassers entsprechenden Ausdruck ge- schaffen haben sollte! Gewiss, das ist möglich, wahr- scheinlich ist es kaum. Aber angenommen, es ware so, .. dann ware noch immer dem zweiten Grunde Bhandarkar's für die Identitat der beiden Halâyudha nicht aller Boden entzogen. Zunachst liesse sich wieder sagen: Der B-Ver- fasser ist über die Persönlichkeit des Halâyudha noch orientiert gewesen, und konnte deshalb eine Anspielung auf die Abhidhanaratnamâld machen; und schliesslich könnte in der a-Fassung „sadabhidhâna - Halâyudha- 1) Der Vollständigkeit wegen will ich auf die, allerdings ganz in der Luft schwebende, Moglichkeit hingewiesen haben, dass der Autor von ßfälschlich die beiden Halayudha identificiert haben könnte. 2) Zu der Annahme, dass wir in der ältern Recension gar kein Werk des Halâyudha vor uns hatten, dass vielmehr der Verfasser der jüngern Recension Halåyudha geheissen habe, und das altere Werk von einem Anonymus stamme, wird sich wohl niemand versteigen. Dem wåre, ausser der innern Unwahrscheinlichkeit der Hypothese, vor allem andern natürlich das vollwiegende Zeugnis des Scholiasten (r) der altern Recension entgegenzuhalten.
Digitized by Google -
Page 24
23
samjñaka" ja auch eine solche Anspielung auf dieses Werk vorliegen. Am besten gefallt mir die dritte mögliche Annahme: die Strophe ist ursprüngliches Gut von a, und zwar mit der Lesart: sadabhidhananidhâna-Halay udhadvijavarasya, wie sie in ß sich thatsächlich erhalten hat. In D haben wir eine handschriftliche Divergenz vor uns. Wie leicht war es moglich, dass ein flüchtiger oder unwissender Schreiber das sadal hânunidhana nicht verstand, sondern wegen des star- ken Gr uklangs eine Wiederholung vor sich zu haben glaubte, und dem vermeintlichen Fehler durch eine Änderung in sad- abhidhana - Halâyudh a samjnaka abhalf. Wir sind ohne- hin gezwungen, den in D überlieferten Text im ersten påda der Strophe nach B zu andern. samaptasadâptu° ist sinnlos; es inuss heissen samâptam avâpta°, wie in ß steht. Halten wir an dieser dritten, wie mir scheint, einfachen Erklarung fest, so gilt das, was Bhandarkar von der 'Maratha copy' gesagt hat, eben vor allem von der alteren Recension; und das ist um so besser. - Also - wie dem allen nun auch sein mag - die, zwar nicht als sicher zu erweisende, aber doch ausserst ansprechende Vermutung, dass die Schlussstrophe einen Hinweis auf die Abhidhanaratnamala enthalte, bleibt immer zu Recht bestehn. Ich glaube nun,. die Gründe Bhândarkar's durch ein neues, wichtiges Moment stützen zu können. Es lasst sich namlich nachweisen, dass der Verfasser des Kavira- hasya die Abhidhanaratnamald benutzt hat. a, 60 erscheint tadbala, ein Ausdruck fur Pfeil. Dieses eigentümliche Wort kennen wir bis jetzt nur aus der Abhi dhânaratnamâlâ (II, 312)1). Die an und für sich schon durch nichts begründete Annahme, beide Werke sollten hier vollstandig unabhangig von einander eine dritte Quelle benutzt haben, wird hinfallig durch den Umstand, dass
- Auch Hemacandra, der die Abhidhanaratnamala sehr stark ausschreibt, kennt das Wort; cine Thatsache, die für uns natürlich völlig irrelevant ist, da Hemacandra lange nach der Ent- stehungszeit des Kavirahasy a lebte.
Digitized by Google
Page 25
24
sowohl die Abhidhanaratnamdla- wie die Kavi- rahasya-Strophe mit dem; bis jetzt. gleichfalls nur hier belegten Worte sarvayasa „ganz von Eisen“ anlautet; dieses Adjektiv ist - das darf nicht unbeachtet bleiben - in beiden Fallen nicht etwa ein Epi- theton des tadbalu, sondern steht zu ibm in keiner direkten. Beziebung. Zwei so markante Ubereinstimmungen sind, das wird jeder zugeben, für das Vorhandensein einer Beziehung zwischen den beiden Werken beweisend. Es lassen sich aber für unsere Behauptung, dass zwischen Abhidhanaratnamala und Kavirahasyu ein enger Konnex bestehe, noch einige Stützpunkte zweiter Ordnung gewinnen. In der erwähnten a - Strophe bekommt tadbala das Bei- wort dipta (D. r. dipra). Die Metapher „flammender Pfeil“ erscheint schon im Epos, aus der spatern Literatur aber ist sie bis jetzt nicht belegt. Da fallt es nun sehr auf, dass in der Abhidhnaratnamala, drei Strophen nach der eben angeführten (II, 315), für den raschen Flug, die tivrata vegasya, eines Pfeiles der in diesem Sinne nur bier1) belegte Ausdruck dipti gelehrt wird. - Das Wort jalaranku (eine Hühnerart) können wir nur Abhidh. II, 94 nachweisen"); das Kavirahasya liefert a, 33 einen neuen Beleg. - Ferner vergleiche man a, 43, wo die Vogel: dâtyûha, çvetacchada, kurara, koyashtika auftreten, mit Abhidh. II, 94. utkroçah kuraro matah | datyuho jalarankuh syât koyashtih çikhari smrtah || Zwei Strophen weiter: hamsah cvetacchadah. So eng ver- einigt finden sich die Wörter in andern Lexicis nicht. - kadalt beisst nach Abhidh. V, 17 eine Fabne auf einem Elephanten : kadali karivaijayantyâm ca. Kavir. a, 183: · halyante hastiprshtheshu kadalyo yasya kotiçah (auf den Rücken seiner Elephanten bewegen sich Fahnen millionenfach). - Abhidh. II, 85 kennt cancu „Schnabel“ mit langem u. Kavir. a, 241: cancubhih. (Kadalt ist in
- und wieder bei Hemacandra (780) 8. vor. Anm. 2) ausserdem bei Hemacandrd (1332) s. vor. Anm.
Digitized by Google -
Page 26
25
demselben Sinne ausserdem noch Magha V, 2, cancu, was Altere Autoren anlangt, noch Amarucataka Str. 13 belegt. Vielleicht sind die Mâgha- und die Amaruçataka-Strophe die Quellen der Abhidh. gewesen). - Das im Epos be- zeugte Wert kankupattra „ein mit Reiberfedern versehener Pfeil" erscheint für uns zuerst wieder Abhidh. II, 311 und Kavir. a, 60. Die Zahl der Falle, dass seltene Worter, die in die lexikalische Chrestomathie Abhidhanaratnamala aufgenommen sind, sich auch im Kavirahasya finden, liesse sich vermehren1). Nun werden wir vor folgende Frage gestellt: Hala- yudha ist der Name eines Mannes, der eine Blutenlese der Nomina in einem Lexikon verarbeitet hat und zwar, abweichend von den übrigen Lexikographen, in den verschie- denartigsten Strophenformen; Hul&yudha heisst auch ein Mann, der uns eine Blütenlese der Verba hinterlassen hat, gleichfalls in mannigfachen Metren. Beide Werke können gleichzeitig sein (sicher ist nur, dass sie zeitlich nicht allzuweit von einander liegen). In dem einen Werke finden sich Anklänge an das andere, die nicht etwa durch die be- handelte Materie bedingt sind; denn wenn die Stoffe beider Schriften auch in derselben Sphäre liegen, so haben sie doch direkt nichts mit einander zu thun. Welche Annahme hat da mehr Wahrscheinlichkeit für sich, dass ein Halayudha den andern Halâyudha benutzt habe, oder dass beide Per- sonen identisch seien? Doch entschieden die letzte Annahme.
- Der Verfasser des Kavirahasya hat ausser der Abhidh. such andere Lexikographen benutzt; z. B. a, 266: Añjaneya, Metronymi- kon des Hanumat; wir kennen das Wort nur aus dem Trikanda- çesha. Die Thatsache, dass ihm die Koca-Literatur nicht fremd war, und er sie, ohne durch seinen Stoff dazu gezwungen zu sein, in seinem Werke verwertete, spricht schliesslich auch für seine Identitat mit dem Verfasser der Abhidh. - Erwahnt baben will ich die ganz gleicbgiltige Thatsache, dass abhidh. Il, 419 kedara als Neutrum aufgefuhrt wird, wahreud es Kavir. a, 119 in seinem gewohn- lichen Geschlecht, als Maskulinum erscheint. Man darf nie aus dem Auge lassen, dass die Abhidh. eben nur eine Aus wahl (kavikantha- vibhûshanartham) geben, und nicht etwa das lexikalische Material er- schöpfend bieton will.
Digitize Google
Page 27
26
Nun ist sie es ja grade, fur die auch Bhandarkar's oben erwahnte Gründe sprechen. Wir müssen also hinfort, ehe wir nicht durch schlagende Beweise eines Bessern belehrt werden sollten, von Haluyudha, dem Verfasser der Abhidhánaratnamâlá und des Kavirahasya sprechen. - Ja, wir dürfen und müssen noch einen kleinen Schritt weiter gehn. Halayudha wird zuerst die Abhidhana- ratnamâla und dann das Kavirahasya geschrieben haben. Denn es ist doch wohl wahrscheinlicher, dass die mit survâyasa beginnende koç u-Strophe das prius gewesen sei. In ihr steht das Wort sarvâyasa in engem innern Zu- sammenhange mit dem Folgenden; es ist ein sehr wesentliches Merkmal der aufgezahlten Pfeile, dass sie „ganz von Eisen“ sind; im Kavirahasya ist sarvâyasa lediglich epitheton ornans. Der Begriff „ganz von Eisen“ ist hier kein Erfor- dernis. Wenn also, wie wir annehmen müssen, die bei- den sarvâyasa zu einander in Beziehung stehn, so können wir auch nicht umhin, anzunehmen, dass das Wort zuerst an dem Platze gestanden hat, wo es die Rolle eines wesent- lichen Begritfes spielt, ein integrierender Teil des Ganzen ist, d. h. im Koça. - Zweitens, -und das ist die Haupt- sache - liegt in den Worten sudubhidhananidhana° eine An- spielung auf die Abhidhanaratnamala, so muss dieses Werk natürlich vor dem Kavirahasya existiert haben.
Durch die Erkenntnis, dass wir im Koça-Verfasser und im Autor des Kavirahasya eine und dieselbe Person vor uns haben, gewinnen wir noch immer keinen Anhaltspunkt für die Beantwortung der Frage: unter welchem Krshna lebte nun dieser Halâyudha?
Wir haben jetzt noch das Verhaltnis zum Metriker zu untersuchen. Der Verfasser der Mrtasumjivani lebte, das wissen wir mit Sicherheit, unter dem Konige Muñja von Mâlava; denn in den Strophen, die er seinen Erklarungen des sútra des Piñgala als Beispiele beifügt, wird des Öf- teren dieser Fürst angerufen; (s. Wcber, Ind. Stud. VIII,
Digitized by Google -
Page 28
27
193 ffg.). Dass der in gleicher Weise beglückwünschte Vak- patiraja mit Munja identisch sei, hat schon Hall, Journ. As. Soc. Beng. 1862, 114 vermutet. Diese Annahme hat sich neuerdings bestatigt; s. Bühler, Epigr. Ind. I, 226 ffg., Kielhorn, Epigr. Ind. II, 212 ffg. '). Die erste inschrift- liche Erwabnung des Muuja-Vakpati fallt ins Jabr 974 A. D., sein Ende zwischen 994 und 997 A. D. Das ist eine Zeit, die nur um Weniges spater liegt als die des dritten Krshna aus dem Rashtrakuta-geschlechte (um 940 bis 956 A. D.) Schon Aufrecht (Abhidhanaratna- mala pref. V) und nach ihm Weber (Ind. Stud. VIII, 202) hielten es für wahrscheinlich, dass der Metriker derselbe Mann sei wie der Lexikograph*). Bei dem Verfasser der Abhidhanuratnamala muss namlich ein starkes me- trisches Interesse obgewaltet haben, denn es kommen in diesem Werke die verschiedenartigsten Strophenformen zur Verwendung, eine Thatsache, zu der sich aus einem Koça wohl schwerlich ein Analogon finden liesse. Die Freude an schwierigen Metren teilt auch das Kavirahasya. Ich glaube, die Mischform aus aupacchandasika und vaitâltya, die wir a, 74 vorfinden, gehort zu den Seltenheiten in der indischen Literatur; ein metrisch nicht gut geschulter Autor wird kaum auf den Gedanken kommen, eine solche Strophe zu bilden. Es handelt sich nicht etwa um ein ardhasamavrtta, dazu liessen sich Belege geben (s. Kühnau Ztschr. d. d. morg. Ges. 44, 69. 72), sondern pâda 1, 2, 3 sind aupacchan- dasika-Formen, pâda 4 eine vaitaliya-Form'). (Naheres s. Anm. zu a, 74). Sehr beachtenswert erscheint mir ferner der von Weber 1) Vgl. auch Simon, Amaruçataka 25: Munjadeva Vák- patirâjaparanáman. 2) Der Verfasser des Kavirahasya konnte weder fur duf- recht noch fur Weber in Frage kommen, da Westergaards Ansatz des Kavirahasya (16 Jh. A. D.) vor Bhandarkar (1882) wohl allgemein angenommen wurde. (vgl. Bohtlingk, Hemacandra VIII, Anm. 3.) 3) Wäre der letzte påda am Schlusse um eine Länge stärker, so hätten wir eine regelrechte aupacchandasika-Form. Es liegt aber kein Grund vor, anzunehmen, dass es sich um einen einfachen Lapsus handele.
Digitize Google
Page 29
28
a. a. O. hervorgehobene Umstand, dass Mrtasamjtvant zu Pingala V, 28: 'khalurikd' in derselben Bedeutung vorkomint, mit der es in der Abhidhanaratnamald gelehrt ist (II, 315). Mrt. heisst es von einem schonen Madchen : es ist „Kamakhalurika", „ein Tummelplatz des Kama". Abhidh .: abhyásah kathyate yogya cramasthanam khalurika (Exercierplatz). Das Wort ist (abgesehen von Hemacandra, der ja die Abhidh. stark benutzt hat) bis jetzt nur an diesen beiden S' ellen belegt. : Die von Weber notificierte Differenz, die zwischen Abhidh. I, 22 dharanidhara mit kurzem Y und Mrtas. zu Ping. V, 24 dharanidhara mit langem i besteht, scheint inir - bei zwei so gewobnlichen Wörtern wie dharan und dharani - belanglos zu sein. Der Koça-Verfasser, der ja nur eine kleine Auswahl aus dem grossen Schatze der Nomina geben will, hat selbstverstandlich gewusst, dass man ebenso gut dhu- rani, dharanidhara sagen kann; auch werden dem Metriker die Wörter dharani, dharanidhara nicht unbekannt gewesen sein. In der Abhidhânaratnamala ist die Kürze durchs Metrum bedingt. - Nun werden wir wieder vor folgende Frage gestellt: Wir haben ein Werk metrischen Inhalts aus der zweiten Halfte des 10. Jhs. Der Verfasser heisst Halayudha. Wir haben ferner zwei Werke aus dem Gebiet der Lexikographie und der Grammatik, für deren Entstehungszeit es drei gleichwertige Möglichkeiten giebt, deren eine die Mitte des 10. Jhs. ist. Der Verfasser dieser beiden Werke heisst gleichfalls Halâyudha. Bei ihm tritt ein starkes Interesse für Metrik zu Tage, eine Wissenschaft, die zu seinem Stoffe durchaus in keiner Beziehung steht. Der Metriker andrerseits hat den Lexikographen benutzt1). Was ist da das Nachstliegende,
- Denn dass zwei ungefähr gleichzeitige Schriftsteller, von denen der eine ein Wörterbuch schrieb, also Autorität für seltene Wörter war, unabhångig von einander ein bisher nur beiihneu beiden belegtes Wort (khalûrikâ) aus einer dritten Quelle geschopft haben sollten, durften wir erst dann annebmen, wenn wir irgend einen Beweisgrund dafür in Händen hätten.
Digitize Google
Page 30
29
einen einzigen Gelebrten anzunehmen oder z wei? Ent- schieden das Erste! Unter diesen Verhaltnissen lautet die kritische Aufgabe, die sich uns stellt, thatsachlich so: kann man beweisen, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelt? und nicht: kann man beweisen, dass wir es nur mit einem Manne zu thun haben ? Das Letztere ist a priori das in sich Wahrscheinlichere und muss so lange gelten, bis jemand im stande sein sollte, den Gegenbeweis anzutreten. Allein es kommt noch mehr hinzu, was diese Wahr- scheinlichkeit der Gewissheit immer naher bringt. Wie das Kavirahasya und die Abhidhanarat- namalâ hauptsächlich Hilfsbücher für die Dichter (kavi) sein sollen (s. o.), so ist auch in einem Eingangs- verse der Mrtasamjtvanî auf den Wert der Metrik für die Dichter ausdrücklich hingewiesen. Mrtasamjivani (ed. Viçvanâtha Bibl. Ind.) pg. 2: Vedânâm pruthamángasya kavinâm nayanasya cal Piñgalācāryasútrasya mayâ vrltir vidhâsyate l Wie die Abhidhanaratnamala eine Blütenlese der Nomina und das Kavirahasya eine Auswahl aus dem Schatze der Verba giebt, so will auch die Mrtasamjivani aus dem Ocean des Chandahcâstra ei- nige Metra gleichsam wie Perlen herausholen: Mrtasamjivani pg. 1: Çrimat- Pingalan g oktacchandahçástramahodadheh | rrttâni mauktikániva kánicid vicinomy aham l Alle drei Werke verwenden in ihren einleitenden Stropben das Wort ud+hr in abnlicher Weise. Das ist auf- fallig, wenngleich sich der fragliche Gebrauch auch sonst nachweisen lasst. Kavirahasya a, 3: lokeshu çâstreshu ca ye prasiddhâh kâvyeshu ye satkavibhih prayuktah ! uccitya tâmç cittavinodunáya çabdán aham dhátubhir uddharâmi ll
Digitizo Google
Page 31
30
Abhidhânaratnamâlâ I, 2: iyam Amaradatta-Vararuci- Bhâguri - Vopâlit âdiçastrebhyah | Abhidhânaratnamâlá kavikanthavibhushanartham uddhriyatell Mrtasamjivant 4: kshirabdher amrtam yadvad uddhrtam devadanavaih | chundo'bdheh Ping ala caryacchando'mrtam tathoddhrtaml| Schliesslich sei nocb auf eine eigentümliche Übereinstim- mung einer Kavirahasya- und einer Mrtasamjtvant- Stelle bingewiesen: Kavirahasya a, 43: dâtyuhah kaņati kvaņaty aviratam çvetacchadânam gaņas ttropántatarusthitā ca kuraraçrent kuņaty ulsukâ | yasyântahpuradîrghikâsu hrdayam yúnám samutkanthayan Karņāțtsuratasvarânukaranaih koyashtikah kūjati || In der Mrtasamjivani lautet die Beispielsstropbe zu Ping. VIII, 10: (Ind. Stud. VIII, 420): adhvanyânâm 1) janayati sukham uccaih kūjan datyuho 'yam pathi niculanitambopante") | Karņâtastrîratikuharitatulyacchedair nádaih kanthaskhalanakutilamandavartaih || Sofort fallt eine unverkennbare Ähnlichkeit ins Auge. Nicht genug, dass in beiden Strophen der Schrei eines Vogels mit den Lauten, die ein Weib beim Liebesgenusse ausstösst, verglichen wird, es ist ganz speciell das Liebesgeschrei der Karnata- Frauen, das als Vergleichsobjekt dient. In beiden Stropben erscheint der nicht allzu haufige datyuha, ferner das Verbum kûj. Der Schrei des Vogels wird be- trachtet in seiner Wirkung auf den Horer: „hrdayam yunam samutkanthayan" und ,adhvanyanam janayati sukham". Vgl. noch tiropantaº und niculanitambo- pânte. Da sollte es uns wohl schwer fallen, jede Beziehung
- Viçvanâtha: adhrasthânas. Note: adhvanyanâm iti pusta- kântarapáthah. 2) Viçvanatha : niculanitoyopante; mir unverständlich.
Digitize Google
Page 32
31
in Abrede zu stellen. - Nun liegen aber hier die Verhalt- nisse nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Weber hat namlich (Ind. Stud. VIII, 414-418) durch schwerwiegende Gründe wahrscheinlich zu machen gesucht, dass der Abschnitt der Mrtasamjtvant, aus dem die eben von mir citierte Strophe stammt, nicht ursprünglicher, sondern sekundarer Bestandteil des Werkes sei. Es ist nun entweder, wie Weber a. a. O. aus einem bestimmten Grunde für erwagenswert halt, dieser Abschnitt eine spatere Zuthat des Halayudha selbst, dann ist die augenfallige Ähnlichkeit der beiden Strophen ein neues, starkes Moment für die Identitat ihrer Verfasser; oder der betreffende Abschnitt ist das Machwerk eines jängeren Autors, dann sind entweder diesem auch die anderen Werke des Halâyudha bekannt gewesen, und wir haben in der Strophe zu Ping. VIII, 10 eine Reminiscenz an Kavirahasya a, 43 vor uns, oder es bestebt keine direkte Beziehung zwischen den beiden Strophen, eine Annabme, der wohl niemand Glauben schenken wird'). Ziehen wir aus den letzten Untersuchungen das Facit: wirsind, meiner Ansicht pach, gezwungen, den Koça- verfasser und Autor des Kavirahasya mit dem Metriker zu identificieren. Dann muss Krshnaraja IlI der Heros des Ka- virahasya sein. Dieser König begegnet uns inschriftlich zuerst 940 A. D. *) Er muss kurz vor diesem Jahre auf den Thron gekommen sein, denn 933 A. D. herrschte noch Govinda IV, und zwischen ibnen beiden liegt die Regierungszeit Amogha- varsha's IlI (d. i. Baddiga's), des Onkels des Govinda, Vaters des Krshņaraja. Nun ist das Kavirahasya zu einer Zeit verfasst, als der König noch jung war, also können ·
- Erwahnen will ich, dass Mrt. zu Ping. VI, 14 crutiputapeyair und Kav. ß, 17 (nicht in a) crutiputaparipeyam erscheint. Bestebt eine direkte Beziebung zwischen den beiden Stellen? Hat dem ß-Ver- fasser die betreffende in der Mrt. als Beispiel auftretende Strophe vor- geschwebt? 2) s. Bhanddrkar, Journ. Bomb. As. Soc. XVIII, 239 ffg. ..
Digitized by Google
Page 33
32
wir. rund. 950 A. D. als Entstehungszeit unseres Werkes angeben. Wir haben also folgendes Resultat gewonnen : „Halayudha, geboren in der ersten Halfte des 10. Jhe. 'A. D. schrieb die Abhidhanaratnamala, dann das Ka- virahasya, 'letzteres um 950 am Hofe Krshnaraja's III zu Manyakheta, zog dann1) nach Dhara an den Hof des Muñja- Vakpati und publicierte dort seine Mrta- samjivani".
lİ. Das Kuvirahasya, wenigstens die jüngere Re- cension, war schon Colebrooke bekannt. Mss. B und C sowie die Kommentarhandschriften v. und t baben sich in seinem Besitze befunden. B (europaisches Papier, Wasser- zeichen 1802) wird für ihn angefertigt sein. Er hat sich, wie mit so vielen Weiken der wissenschaftlichen Literatur, auch mit dem Kavirahasya eingehend beschaftigt, denn B ist, namentlich in den ersten Partien, mit Glossen von der Hand des grossen Gelehrten versehen. Dann hat Westergaard drei Handschriften aus der Bibliothek des India Office (die oben erwalnten B und- C der jüngeren Recension, und D der alteren) bei seinen Ra- dices sanscritae benutzt, und gelegentlich ein Citat aus der jüngeren Recension angeführt. Fordernd sind Bhandarkar's in allen wesentlichen Punkten durchaus stichhaltige Bemerkungen gewesen, die oben verwertet sind. Vom Kavirahasya ß kenne ich bis jetzt einen Bombayer und zwei Calcuttaer Drucke (s. u.). Dem Versuche einer kritischen Bearbeitung beider Re- censionen, zu dem diese Blatter die Einleitung bilden, sind Anmerkungen beigefügt, die sich theoretisch die Aufgabe · stellen, das, was die indischen Grammatiker über die ein- zelnen im Kavirahasya zur Anwendung kommenden Ver- balformen, namentlich ihre Bildung und Bedeutung, lebren, dem Leser vorzuführen, und so einen Vergleich der Ansichten
- Vielleicht als der Herrlichkeit der Rashtrakusa durch die Calukya ein Ende gemacht war.
Digitized by Google
Page 34
33
Halåyudha's mit denen anderer Gelehrter zu ermöglichen. Wie mangelhaft ein solches Unternehmen - selbst wenn man alle lediglich mir zur Last zu legenden Mangel ausser Acht liesse - heutzutage ausfallen muss, weiss jeder, der sich mit der grammatischen Literatur der Inder beschaftigt hat. Meine Arbeit muss allein schon deshalb in hohem Grade an die Nachsicht des Benutzers appellieren, weil sie, wenigstens meines Wissens, nach Westergaard der erste Versuch ist, eine der zahllosen Schriften aus der Dhatu-Literatur kritisch zu bearbeiten. Benutzt habe ich für die Darstellung der uber die einzelnen Formen herrschenden Lehren ausser Panini und dem panineischen Dhatupatha, dem Mahabhashya und der Kacika vor allem die Madhavtyadhatuvrtti. Dieses Werk, das ja aus verhaltnismassig spater Zeit stammt (14. Jh. A. D.), ist deshalb für meinen Zweck von der aller- grössten Wichtigkeit gewesen, weil es die Ansichten alterer, teils verschollener, teils noch nicht zuganglicher Werke ver- zeichnet. Mit Hilfe der Dhâtuvrtti ist es mir, um ein Beispiel zu nennen, möglich gewesen, die höchst charakte- ristischen und interessanten Anschauungen der Grammatiker über die Form vicchati (a, 116) zusammenzustellen. Dieser grosse und wichtige Wurzelkommentar, dessen Bearbeitung uns viele Aufschlüsse über die Geschichte der indischen Grammatik geben würde und deshalb ein dringendes Postulat ist, hat mir zunachst nur in einer ziemlich korrekten mo- dernen Abschrift aus Prof. Kielhorn's Bibliothek (K) vor- gelegen. Seit einiger Zeit stehn mir folgende Mss. aus der Bibliothek des India Office zu Gebote: A = No. 864; nicht schlecht! B = No. 1613. C = No. 148. Für den bhrâdigana konnte ich den Abdruck im Pandit (New Series IV-VIII) benutzen 1). Ich habe es nicht verschmaht, in den Anmerkungen
- Das Berliner Ms., das ich für einige Partien vom adâdi- bis zum curâdigana benutzen wollte, hat, wie sich herausstellte, leider nur wenige Blātter ausser dem bhrâdigana. 3
Digitized by Google
Page 35
34
ausser der Dhâtuvrtti auch andere spater als das Ka- virahasya liegende Grammatiker, so Vopadevą (Kavi- kalpadruma, Mugdhabodha), ja sogar Bhattoji- dtkshita1) anzuführen, einerseits um die über eine be- stimmte Form bestehnden Lehren moglichst vollstandig zu geben, andrerseits, weil sich bei jungeren Grammatikern doch Manches aus dem Repertoir alterer Gelehrter findet, das uns nur auf diesem indirekten Wege zugänglich ist. Dass ich die von Westergaard in seinen grund- legenden Radices sanscritae gemachten Angaben stets benutzt habe, bedarf keiner Erwahnung, da sich wohl fast jede For- schung aus der Sphare der Dhatupatha an dieses Buch anlehnen muss. Soweit es in Frage kam, habe ich auch das Katantra und seinen Scholiasten Durgasimha herangezogen, ferner den Kaiyyata und Haradatta's Padamañjarî, soweit sie im Pandit gedruckt ist. - Wenn die Anmerkungen dazu beitragen sollten, die Geschichte der über die einzelnen Verbalformen herrschenden Anschau- ungen hie und da etwas aufzuhellen, so haben sie ihren Zweck erreicht. - Nun fragt es sich: nach welchen grammatischen Quellen hat Halâyudha gearbeitet? Naturlich hat er ausser Panini, dem panineischen Dhatupatha, dem Mahâbhâshya, der Kâçika noch andere Schriften, na- mnentlich Werke der Wurzelliteratur, benutzt. Zu einem schar- fen Resultate zu kommen, ist bis jetzt selbstverständlich un- möglich, da wir eben fast alles, was wir von diesen Wurzel- verzeichnissen sagen können, uns aus den gelegentlichen An- gaben einer sekundaren Quelle, namlich der Madhaviya- dhatuvrtti, zusammensuchen mussen. Bei der Publikation des Textes wird auch eine Tabelle erscheinen, in der der Versuch gemacht wird, alle sichern Falle zusammenzustellen, in denen Halâyudha mit dem einen oder dem andern
- Hier sei beiläufig bemerkt, dass der tinanta-Abschnitt der Siddhanta - kaumudi stark nach der Madhaviyadhaturrtti gearbeitet ist, eine Thatsache, die schon bei der Vergleichung einiger Seiten ins Auge fallt. Madhava wird auch gradez u citiert.
Digitized by Google
Page 36
35
der alteren, uns meist nur den Namen nach bekannten, Ge- lehrten in einer von der vulgaren Meinung abweichenden Ansicht übereinstimmt, ferner jene Falle, in denen die von Halâyudha gebildete Form der Lehre dieses oder jenes alteren Gelehrten direkt widerspricht. Es liegt aber anf der Hand, dass aus einer oder mehreren Übereinstimmun- gen mit X, im Gegensatz zu andern Grammatikern, noch lange nicht mit Sicherheit zu folgern ist, dass Halâyudha den X benutzt habe, selbst unter der Voraussetzung, dass X der Aeltere sei. Beide können aus einer gemeinsamen Quelle geschöpft haben, oder Haláyudha kann einen auf X fussenden Autor benutzt haben, wenn der Fall nicht schliesslich so einfach ist, dass die betreffende Ansicht bei verschiedenen Gelehrten selbstandig entstehn konnte. Ebenso wenig berechtigt uns eine Differenz zwischen Halayudha und Y zu dem Schlusse, dass Halâyudha den Y ber- haupt nicht benutzt haben konne. Halâyudha kann sich - und das ist gar nicht unwahrscheinlich - in der einen Ansicht diesem, in der andern Ansicht jenem Ge- lehrten angeschlossen haben, braucht also nicht blindlings einem bestimmten gefolgt zu sein, sondern kann selbstandig Kritik geübt haben. Die Zaht der Eventualitaten betreffs der Vorlagen des Halayudha ist sehr gross. Dass schliesslich Halâyudha auch irgend welche an- dere Gelehrte benutzt hat, von denen wir nichts wissen, wird durch den Umstand sehr wahrscheinlich, dass wir im Ka- viruhasya eine Reihe von Verbalformen haben, für die wir bis jetzt weder aus einem grammatischen noch aus einem anderen Werke der indischen Literatur eine Autoritat nach- weisen können. Halâyudha will Worter, lokeshu castreshu ca ye pra- siddhah kâvyeshu ye satkavibhih prayuktah, darstellen. Über çûstreshu habe ich gesprochen. kâvyeshu ye prayuktâh, lassen sich mit Hilfe des Lexikons ziemlich gut kontrolieren. Aber manche der auf keine Autoritat zurückführbaren Formen wird zu denen, lokeshu ye prasiddhah, gehoren. Das gesamte im Kavirahasya behandelte Verben- material wird bei der Ausgabe des Textes nach den für uns 3*
Digitize Google
Page 37
massgebenden Gesichtspunkten (ob bekannt, ob nicht, in dieser Bedeutung und Verwendung, in Verbindung mit dieser Praposition, bei einem Grammatiker oder in der übrigen Li- teratur bezeugt oder nicht etc.) vorgeführt werden. Das Kavirahasya ist namentlich auch deshalb für uns interessant, weil es uns im Gegensatz zu anderen Dhâ- tupatha's, die als Bedeutungsangabe nur ein Nomen im Lo- kativ beifügen, die einzelnen Verben in kleine Satze yer- woben darstellt, aus denen die Bedeutung, die der Gelehrte des 10. Jhs. ihnen beimisst, natürlich meist klarer wird, als dies bei der Erklarung durch ein Nomen möglich ware. Selbstverstandlich hat Hala yudha den Sinn vieler Formen einfach aus dem lokativischen Nomen der Dhâtupâtha's ab- geleitet, allein wir mussen auch immer mit der Thatsache rechnen, dass er viele der von ihm gebrauchten Verbal- formen aus der Praxis oder Literatur kannte, die uns nur noch aus Wurzelverzeichnissen bekannt sind oder sich we- nigstens in der betreffenden Bedeutung oder Verwendung bis jetzt nicht nachweisen lassen1). Schliesslich könnte Einiges von seinem Verbalschatze auch auf uns unbekannten grammatischen Principien oder gar auf Missverstandnissen beruhen. Unsere Hauptaufgabe ist übersichtliche Registrierung seines Materials.
An dieser Stelle sei noch kurz auf zwei für die indische Wurzelliteratur wichtige Lehren der Grammatiker hingewiesen, die ich im folgenden nach der Madhaviyadhatuvrtti gebe. Den Texten habe ich möglichst genaue Inhaltsangaben beigefügt, die sich namentlich bemühen, den Gedankengang schwieriger Stellen zu erläutern. Es handelt sich erstens um die Frage, ob das Suffix nic an die Verben des curûdigana treten muss, oder ob diese Verben auch Formen ohne nic bilden durfen. Halayudha
- Zur Frage über das Alter und die Zuverlässigkeit der Dhâtu- pâtha's vgl. jetzt Bühler, Wiener Ztschr. f. d. K. d. M. VIII, 17 ffg., 122 ffg.
Digitized by Google -
Page 38
37
scheint die letzte Ansicht zu vertreten, denn es werden haufig Wurzeln, die, wenigstens nach den Lohren der uns bekannten Grammatiker, nur im curadigana erscheinen, auch als Wurzeln der bhoddi- klasse behandelt. Vor Augen halten mussen wir uns aber auch hier die oben erwahnte Thatsache, dass Ha- layudha offenbar über viel Material verfügt hat, das uns noch nicht wieder zugänglich ist. Text der Madhaviyadhâtuvrtti: akára uccáranârthah prayojanântarábhávât | na ca tañartho 'nudâlta it syât 1) satyâpapâçetyadina (P. III, 1, 25) curâdi- bhyah svarthe nico vidhândd anicah prayogâbhâvat | tatha ca Kaçyapah*) | kâryâbhâvâd ekaçrutyâ pathyata iti | atr- Âbharane ghushir aviçabdana (P. VII, 2, 23) iti jnapakâd") akriyamâņe 'pi vágrahane curâdibhyo ņij vety uktvata4) ekahal · (P. VI, 4, 120) ity atra Vrttau jaganatur jagaņur iti pratyudâharanasamarthanârtham anityanyantâç curâ- daya 5) iti Nyâsakarenâbhidhanâd) idam jnâpakam
- K. ca tavarthonudattetloam syat. 2) A. K. om. Kdcyapah 3) Es giebt nach Auffassung des Patañjali zwei Wurzeln ghush, 1) ghushsr avicabdane bhoddau (Dhp. 17, 1), 2) ghushir ciçabdane curddau (Dhp. 33, 53). Nun lehrt Pdnini (VII, 2, 23), dass ghuah im part. perf. pass. kein i erhält, wenn es „aviçabdane“ steht, und Patañjali wirft dazu die Frage auf: was soll der Zusatz „avicabdane“; es kann duch uberhaupt nur die Wurzel ghushir aricabdane bhoddan bei dieser Regel in Betracht kommen, denn bei der curddi-wurzel ghushir viçab- dane ware die Lehre von der Augmentlosigkeit des Participiums ja sinnlos, da die fragliche Form doch auf alle Falle ghoshita heissen musste. Aus dem Umstande nun, dass Pdnini trotzdem den Zusatz aviçabdane für nötig erachtet hat, folgt eben - nach der Ansicht des Patañjali - dass die curddi-wurzel ghush auch wie eine bhcddi-wurzel flektiert werden darf (sonst ware Panins's Beschrankung ariçabdane ja überflüssig; aber Pdnini thut eben nichts Überflüssiges). s. Mahdbháshya zu P. VII, 2, 23. 4) K. uktatcad ata C. uktod. om. ta. 5) gan ist nach der Grammatik nur ein Verbum der curdi- klasse (Dhp. 35, 3). Wenn nun die Kacikd von diesem Verbum die Formen juganatuh, jaganuh bildet (in der Regel uber Substitution von e im Perfekt, als Gegenbeispiel zu der Beschränkung anddeçåder), so gebt daraus eben hervor, dass man von einem Verbum der 10. Klasse auch Formen ohne das Suffix ni bilden kann. 6) Der Nyasakara ist Ji-
Digitize Google
Page 39
38
samanyapeksham 1 cety uktva dhrshad 8) veti ganakaravacanam (Dhátup. § 34) canurâda ity uktam | jnapakasya svarúpam asmâbhir ghoshatau likhitam iti neha pradarçitam | tatra jñâpakasya samányâpekshatvam Kaiyyata-viruddham yad âha ner anâv (P. I, 3, 67) ity atra ganayati ganam iti Bhâshya-vyakhyane nityatvân nicah kevalânâm curâdi- nam prayogabhavad iti9) | Bhashya-viruddham ca | tatha hi | kimartham aviçabdana ity ucyate na viçabdane ghusher nicâ bhavitavyam | eram tarhi siddhe sati yad aviçabdana- grahaņam karoti taj jnapayaty acâryo vicabdane ghusher vibhashâ nij bhavatiti | kim etasya jnâpane prayojanam | mahipálavacah çrutva jughushuh Pushyamânavâ 10) ity esha prayoga upapanno bhavatiti viçishtavishayatvenabhidhâ- nât l rdupadhac câklpicrter (P. III, 1, 110) ity atrânitya- nyantâç curâdaya iti sâmanyena yad uktam Padamañ- jaryam 11) tad api matantarapeksham na tu svamatam 12) yad vakshyati ghushir aviçabdana ity atra ghushivishayam eva jnâpakam uktvānye to áhur anityanyantâç curádaya
nendrabuddhi. 7) allgemein, d. h. fur alle Verben der 10. Klasse, giltig. 8) K. vety uktrat dhrshdd. 9) Kaiyyata (in der Ausg. des Bhashya, Benares Samvat 1927) Fol. 255b, 1. 10) C. malava. A. K. kshatramdlavd. 11) Der Zusammenhang, in dem die Bemerkung dort vorkommt, ist folgender: die Kdçikd wirft die Frage auf, warum in der Regel III, 1 110 ausdrücklich gelehrt sei, dass das Suffix kyap an Wurzeln, die kurzes r als Penultima haben, treten solle (taparakaranam iti kim; vgl. P. I, 1, 70), und giebt als Antwort: weil die Regel auf Vki't keine Anwendung finden soll (an kft tritt also das Suffix nyat, nicht kyap). Dazu reflektiert nun Haradatta: kft ist eine Wurzel der curádi-klasse; müssten diese Wurzeln immer notwendig das Suffix nic annehmen, so könnte unsere Regel auf kft in keinem Falle Anwen- dung finden, auch wenn die Beschränkung „kurzes r" nicht da ware. Der Umstand nun, dass diese mit Rücksicht anf kft gegebene Be- schränkung sich thatsächlich im sutra findet, lehrt uns eben - da Pânini nichts Überflüssiges thut - dass kft sonst doch unter unsere Regel fallen würde, dass also das Suffix nic nicht notwendig an die curddi- wurzeln zu treten braucht. Padamaujari (Pandit, N. S. XIV, 186): kîta saınçabdane | nyad eca bhavatiti | anityanyantáç curđdaya iti nija- bhavapaksha iti | idam era ca taparakaranam lingam anityanyantac curddaya iti | nijantat tu nilope krte câkrte ca ditsyam dhitsyam (P. III, 1, 97) itivad yad eva bhavati l 12) K. omatam. 13) B. onamn cam vi.
Digitize Google
Page 40
39
iti sámânyena jñâpyata iti | yâpy rdupadhác cetyádáv anityanyantáç curâdaya iti Nyâsakrtah sâmanyoktih sâpi yeshâm lingena vacanena va nijvikalpas tanmatravishayaiva | tathâ ca ner ando ity atra tenaivoktam | cauradikândm apy anityanyantatvâd vibhashitanicam keshâncid vidyamâ- natvåd iti | yasmân nėh průk karma kartâ ra vidyate na caitasmân neh pråk karma kartā vå vidyata (Mahabhashya I, 292, 1) iti ganer nityanyantatvåbhidhânam 13) viru- dhyeta 14) | tathâ jaganatur iti pratyudâharane Pada- mañjary api | curáditvád atra ņic prápnoti yadi neshyate 'nityanyantâç curâdaya ili | yadina 15) hy aparitoshah súcyate | aparitoshaç ca purvokto Bhashy a-virodhah il tad eram 16) nitye nici svaritet syad grahih kryâdau lakshiç caikaç curádishu iti vacanal 17) laksheh svaritettvul lingad anyebhyaç curádi- bhyo nicaç ceti (P. I, 3, 74) kartrabhipraye (vgl. P. I, 3. 72) tañ nety uktva18) Can dras to atrapy ubhayapaditvam asthita 19) nijvikalpam cahety30) aha"1) Svami | evam Dero Nandi cahatuh"3) | Maitreyas tu svaritettvam asya necchati") yad âha svaritettvam asya na34) kaçcit pratipadyata iti | nicaç cety atra Haradatto 'pi laksheh svaritettvam prastu- tyâha nâtráptabháshitam sti Páráyane 'pi curádinica ât- manepadam udâhrtam iti 15) | evari ca lakshan 36) iti pathi-
C. 'nam Da vi'. 14) K. rudhyete || na tathd. 15) A. °na; hinter na ein senkrechter gelber Tilgungsstrich. 16) C. eva (4 .? ) 17) In obigem Verse wird Vlaksh (§ 32, 5) ausdrucklich als waritet-wurzel gelebrt. Daraus geht, nach indischer Anschauung, natarlich hervor, dass die Regel nicaç ca auf das nic der curadi-klasse keine Anwen- dung findet, denn dann ware ja die Vorschrift: „laksh soll eine svaritet-wurzel sein" uberflussig. 18) K. °dm. 19) K. asthitam. 20) B. C. cahety. 21) K. kalparad ity dha. 22) C. vahatuh. 23) K. mrchati. 24) K. C. om. na. 25) (Der Druck im Pandit (N. S. XII, 393) bat: natraprdpta). Ich fasse dpta als: „zuverlassiger Gelehrter, Autoritat“. Die ganze Stelle lautet : nicac ca | atra kaceid dha | idam dtmanepadam curddinico na bharati | kutah | jnapakdt | kim jřdpakam | lakshayuteh svaritettram iti | natraptabhashitam asti| Pardy ane'pi curddinica dtmane- padam uddhrtam esha ridhic curddinijantdt sydd iti | .... lakshayateh scaritettram andrsham || Das durch Punkte Angedeutete ist ganz ver- derbt. Das der Bibliothek des India Office gehorige Ms. hat an dieser
Digitize Google
Page 41
40
tva"1) nitkaranud anyebhyaç curâdibhyo nicaç ceti tan neti38) Çribhadra-vacanam api pratyuktam | Prakriyaratne ca citer idittvaj jñâpakúc39) curâdinico 'nityatvác cata sphuta bhedana (Dhp.33,47.48) ityâdau vicatatityâdy api yathâdrshlam drashtavyam ity ekiyamatam uktvâ tad Bhâshy oktajnâpaka-
Stelle leider eine Lucke. 26) K. lakshis. 27) K. pathitatođ. 28) K. tañeti. 29) Wenn eine Wurzel der 10. Kl. mit dem anubandha i versehen ist, so liegt darin, nach der Lehre der Grammatiker, eine Andeutung, dass die betreffende Wurzel auch nach der 1. Kl. flektiert werden kann. Mâdhavtyadhatuvrtti zu Dhâtupátha 32, 2: cinta smrtyam iti sanushanga eva pathitavya iditpathan nalopdbhavarthdd asya nic pâkshikah I nitye hi nici tasya sthanivadbhavad vyavadhânán na kvápi knítparatvam iti cintyata ityâdau nalopdprasangah | tena cintati cicinta cintitetyddy api bhavati | evam anyatrapidittvam nijvikalpartham drashtaryam || Der Sinn dieser Stelle ist folgender: P. VI, 4, 24 wird gelehrt: ,vor einem kit- oder nit-suffixe schwindet nasale Penultina, ausser wenn die Wurzel den anubandha i hat und somit ihren Nasal erst nach P. VII, 1, 58 erhalt (also im Dhatupdtha nicht wirklich mit Nasal aufgeführt ist)“. Angenommen nun, die Wurzeln der 10. Klasse mussten immer das Suffix nic annehmen, so konnte P. VI, 4, 24 auf sienie Anwendung finden, da ein kit- oder nit-suffix nie unmittelbar auf eine Wurzel der 10. Kl. folgen könnte, sondern immer durch das Suffix nic von der Wurzel getrennt ware. (Ist nic nach P. VI, 4, 51 fg. auch abgefallen, so gilt'es doch (nach P. VI, 4, 22) in Bezug auf P. VI. 4, 24 als vorhanden). Für eine Wurzel der 10. Kl. ware es also ganz gleichgiltig, ob sie mit nasaler Penultima im Dhatupdtha gelehrt würde, oder ibren Nasal erst durch den anu- bandha i bekäme, da ja die einzige Regel, für die dieser Unterschied von Bedeutung sein könnte, nämlich P. VI, 4, 24, auf solche Wurzeln gar keine Anwendung finden durfte. Der Umstand nun, dass that- sächlich eine Reihe von Wurzeln der 10. Kl. mit dem anubandha i er- scheint, beweist eben - da Panini doch nichts Uberflussiges thut -, dass die Regel VI, 4, 24 auch auf sie Anwendung finden kann, mit andern Worten, dass nic nicht notwendig an solche Wurzeln zu treten braucht. Man kann also cintati, cicinta, cintitr u. s. w. bilden. - Auch Vopadeva teilt diese Ansicht (wohl in der Kdvyakdmadhenu) s. Westergaard, Rad. pg. 371. - Si. Kau. Bombay 1887 pg. 249. cinteti pathi- tavya iditkaranam nicah pakshikatveļ lingam | tena cintyac cintyata ityadau nalopo na | cintati cintet | etac ca jñapakam samdnydpeksham ity eke 'ta ekahal (P. VI. 4, 120) ity atra Vrttikrtd jaganur jaganatur ity uddhrtatodt | viceshdpeksham ity apare | ata evd dhrshdd cety asya na caiyarthyam I yatri samkoce | yantrayati | yantreti pathitum
Digitized by Google L
Page 42
41
viruddham evari hi ghushir viçabdana30) ity asyâpy anyan- tasya sambhavât tadvyvrttyarthavicabdanoktih kutham jná- pika syâd iti tanmatam dushitam || tasmad yatra lingam vacanam rasti$1) tatra vikalpa iti siddhantah"1) | vacanam spashtam | lingam api tatra tatra dhâtau pradarçayishyate33) ; yat tu jaganatur jaganur iti lingavacanayor abháve 'py anyantasya pratyudâharaņam ata ekahal ity atra Vrtlau tad anityanyantâ iti sâmanyavadimatapekshaya na tu sid dhântabuddhya | corayati .. corayate || - Der Inhalt der citierten Dhatuortti-stelle ist folgen- der: Das wurzelschliessende a (cura u. s. w.) kann nur die Bestimmung haben, die Aussprache zu erleichtern, da sich ein anderer Zweck nicht auffindon lasst. - Ein Atmanepada bewirkender anudátta (P. I, 3, 12) ist als anubandha bei don Wurzeln der 10. Kl. unstatthaft, weil diese Wurzeln ohne das Suffix nic nicht vorkommen, denn in P. III, 1, 25 ist für sie schlechthin dieses Suffix gelehrt worden, ohne dass es sich dabei etwa um eine Modificierung der Bedeutung handelto (wie ja beim hetumannic, dem Suffixe des Causativums); für das Genus der auf nic endigenden dhatu's existiert aber cine besondere Regel (P. I, 3, 74) s. u. Deshalb sagt auch Kâ- syapa, dass kein bestimmter Accent als anubandha gelehrt werde, da ein solcher keinen Zweck habe. Nun wird dio oben ausgesprochene Behauptung, dass die Verben der 10. Kl. das Suffix nic notwendig annehmen müssten, näher beleuchtet. Da sagt nun das Abharana Folgendes: aus dem jnapaka in P. VII, 2, 231) folgt, dass, wenn auch in P. III, 1, 25 kein va steht, dennoch die Verben der 10. Kl. das Suffix nic nur fakultativ annehmen, und aus der Behauptung des Jinen- drabuddhi: „die Verben der 10. Kl. brauchen nicht immer
çakyam | yat to iditkarandd yantratiti Madhavoktam tuc cintyam | coam kudri-tatri-matrishu (bei diesen vier Verben kann P. VI, 4, 24 ja keine Anwendnng finden, weil n nicht Penultima ist). 30) A. C. B. ariçabdana; in A. aus viçabdana verändert. 31) K. B. C. cdsti; in A. odsti aus cdsti verbessert. 32) K. siddhamnti. 33) B. C. om. pra. 1) Naheres über das jndpaka s. in der Note 3) zum Texte.
Digitized by Google
Page 43
42
wic anzufugen“ - einer Bohauptung, die zur Rechtfertigung des Gegenbeispiels der Kacika zu P. VI, 4, 120 jaganatuh, jaganuh notwendig ist - folgt forner, dass das jñâpaka in P. VII, 2, 23 sich auf alle Verben der 10. Kl. bezieht, nicht, wie man ja leicht vermuten könnte, auf ghush allein. Also ist die vom dhâtupâthakâra für eine bestimmte Reihe von curâdi-wurzeln (Dhp. § 34) gegebene Lehre von der be- liebigen Anwendung des nic (a dhrshad va) nur als eine Wiederholung eines von vornherein feststehnden Principes anzusehen. So weit das Abharana. Nach der beilaufigen Bemerkung, dass das Wesen des erwähnten jnâpaka's ge- legentlich der Besprechung der Wurzel ghush auseinander- gesetzt sei, und deshalb hier übergangen werde, beginnt die Dhatuvrtti ihre Polomik gegen die Anschauung des Abha- rana: Zunachst widerspricht die Auffassung, dass das jna- paka sich auf alle Vérben der 10. Kl. beziehen solle, der Autorität des Kaiyyata; denn derselbe sagt einmal, gelegent- lich der Erklarung des Bhashya zu P.I, 3, 67, wortlich: „da die curadi-wurzeln allein (d. h. ohne nic) nicht vorkommen, weil namlich nicnotwendigantreten muss" [Der Zusammen- hang, aus dem die Stelle gerissen ist, ist fürs Verständnis der Dhatuortti gleichgiltig]. Ferher widerspricht die ge- rügte Ansicht der Autoritat des Bhashya, denn in der Kritik zu P. VII, 2, 23 heisst es: der Lehrer (Pânini) deutet an, dass an ghush (wenn es in der Bedeutung viçabdane steht) beliebig nic tritt, und als prayojana des jnâpaka wird eine Stelle angeführt, in der die Form jughushuh vorkommt, woraus eben folgt, dass Patañjali die von ihm vorgetragene Lehre nur auf ein bestimmtes Gebiet, namlich ghush, be- schränkt wissen will, also das jnapaka nicht auf sämtliche curâdi-wurzeln bezieht. Nun könnte jemand einwenden: aber Haradatta- der doch auch eine Autorität ist - sagt in seiner Padamañjarî (zur Kaçika zu P. III, 1, 110) ganz allge- mein: „die Wurzeln der 10. Kl. brauchen nicht notwendig nic anzunehmen.“ Dem müsste man erwidern: Haradatta führt mit dieser Äusserung nur die Ansicht anderer Gram- matiker an, nicht seine eigene; das geht aus seiner Erklärung zu P. VII, 2, 23 hervor, wo er ausdrücklich sagt, das jâpaka
Digitized by Google
Page 44
43
bezoge sich nur auf ghush, andere dagegen wollton ihm cine allgemcine Geltung für alle curadi-wurzeln zuschreiben. Wenn ferner Jinendrabuddhi zu P. III, 1, 110 ganz allgemein sagt: „die Verben der curådi-klasse brauchen nicht notwendig nic anzunehmen“, so bezieht sich auch das nur auf solche Wur- zeln, bei denen sich aus einem linga oder einem vacana 1) die beliebige Anwendung des nic ergiebt (also nicht auf sämt- liche curâdi-verben). So sagt derselbe denn auch zu P. I, 3, 67 ausdrücklich, dass es einige curâdi-wurzeln gebe, die nic beliobig anfügen. Ausserdem dürfte die Bhâshya I, 292, 1 gegebene Lehre, dass gan ohne nic nicht vorkommen konne, mit der Ansicht des Abharana direkt im Widerspruch stehn. Gegen die Behauptung, dass das Antreton von nic fakultativ sei, sprechen indirekt schliesslich auch die Worte der Padamañjari zu jaganatuh, dem Gegenbeispiele der Kâçikâ zu P. VI, 4, 120; sie sagt nämlich: „weil gan eine curâdi-wurzel ist, ergiebt sich das Suffix nic; will man das aber nicht haben, so muss man eben das Princip 'anityany- antac curadayah anwenden." Aus dem Umstande, dass Hara- datta das Princip nur unter der Klausel: „wenn man nic aber nicht haben will“, anbringt, geht eben hervor, dass er an dicsem Principe Anstoss nimmt. Begrundet ist dieser Anstoss in dem oben erwähnten Konflikte mit der Anschauung des Bhashya. Vorlaufiges Resultat der Untersuchung der Dhâ- tuortti: „nic tritt obligatorisch an die curadi-wurzeln.“ Dagegen wird die von Soamin referierte Ansicht des Candra angeführt. Aus dem Verse, der laksh aus- drücklich als svaritet-wurzel lehrt, geht hervor, dass die Âtma- nepada-endungen, die in dem Falle, dass der Erfolg der Hand- lung den Agens zum Ziele hat, nach P. I, 3, 74 an die auf nic endigenden Wurzeln treten, den ubrigen Verben der 10. Klasse nicht angefugt werden, (sonst ware es ja überflüssig, für laksh eine besondere Vorschrift zu geben, die ja nur dasselbe lehren würde, was schon aus der allgemeinen Regel nicaç ca P. I, 3, 74 sich ergäbe; diese Regel kann sich also
- linga ist soviel wie jndpaku; vacana die „ausdrückliche Lehre“ z. B. a dhrshád cá Wz. § 34.
Digitize Google
Page 45
44
nur auf hetumannic nicht auf curadinic beziehen); trotzdem lehrt Candra für die curadi-wurzeln beide Genera verbi, weil er namlich fakultatives Antreten des nic annimmt (nach ihm sind also die curâdi-wurzeln mit nic Parasmaip., konnen aber ohne nic auch Atmanep. sein). So berichtet Svamin, der Candra's Ansicht billigt; derselhen Ansicht sind Deva und Nandin. Maitreya aber will nicht, dass laksh eine svaritet-wurzel sein soll, denn er sagt, von der scaritet- schaft wisse niemand etwas. Haradatta führt zu P. I, 3, 74 die Lehre, dass laksh svaritet sei, samt dem aus ihr gezogenen Schlusse (nicaç ca bezieht sich nicht auf curâdinic) an, ver- wirft sie aber mit Hinweis darauf, dass sie nicht durch an- erkannte Autoritäten gestützt sei, dass dagegen das Pârâ- yana lehre, P. I, 3, 74 bezoge sich auch auf das nic der curadi-wurzeln. Die Dhatuvrtti stimmt dem Haradatta bei, denn sie sagt, damit sei auch die Lehre des Cribhadra widerlegt, der laksh mit dem anubandha a liest, und daraus die oben auseinandergesetzte Folgerung zieht (nicaç ca bezieht sich nicht auf curadinic). (Maitreya, Haradatta, das Parayana und die Dhatuvrtti bezichen also nicac ca auch auf das nic der curâdi-wurzeln; sie brauchen also nicht, wie Candra u. s. w. es mussen, beliebige Anwen- dung des nic anzunehmen, um beide gonera verbi für die curadi herauszubekommen). Die Dhatu- Drtti führt nun noch kurz .die Ansicht des Prakriya- ratna über die Frage, ob nic fakultativ sei, an, um dann ihrerseits das definitive Schlussresultat zu ziehen. Das Prakriyaratna führt folgende auf einigen Autori- täten fussende Anschauung an: aus dem im anubandha i der Wurzel citi liegenden jnápaka (s. Note 29 zum Texte) folge, dass überhaupt das nic der 10. Kl. nur fakultativ antrete, so dass man also auch von cata und anderen Wurzeln vica- tati u. s. w. bilden konne, Formen wie sie wirklich in der Sprache vorkamen; dann aber erklart das Prakriyaratna diese Ansicht für falsch mit den Worten: das bildet einen Widerspruch zu dem im Bhâshya auseinandergesetzten jná- paka, denn die oben angeführte Lehre würde ja auch die curâdi- wurzel ghushir viçabdane treffen, diese Wurzel könnte also
Digitize Google
Page 46
45
von vornherein Formen ohne nic bilden; dann ware das aviçubdane des sutra eben dazu da, die in Rede stehnde Participialbildung für diose Wurzel zu verbieten (d. h. auf die im bhvâdigana gelehrte Wurzel ghushir aviçabdane zu bo- schränken); das aviçabdane hätte also einen auf der Hand liegenden Zweck, und könnte somit kein jñåpaka ent- halten (denn ein jnapaka liegt immer nur in einem Plus, das zunächst überflüssig erscheint, aus dessen thatsächlichem Vorhandensein im sutra dann aber etwas erschlossen wird). Widerspricht aber eine Ansicht der Autoritat des Bhashya, so ist sie falsch, das ist die Argumentation des Prakriya- ratna. - Nun zieht die Dhatuortti das Facit: die definitiv richtige Ansicht ist die, dass nur wo ein linga oder ein vacana darauf hinweist, das nic der curadi-wurzeln fakultativ ist. Ein vacana - das ist klar. Ein linga wird bei der einen oder der andern Wurzel auseinandergesetzt werden (wie z. B. bei citi). Das Gegenbeispiel aber, das die Kâçika zu P. VI, 4, 120 anführt, jaganatuh, jaganuh, welches die Wurzel gan ohne nic bietet, obgleich weder ein linga noch ein vacana dafür spricht, das ist nur mit Rücksicht auf die Ansicht der- jenigen Grammatiker gegeben, die ganz allgemein sagen: „nic braucht nicht notwendig anzutreten“, ohne dass die Kâçikå etwa meinte, dies sei nun die endgiltig richtigo Lehre. - Man darf also nur corayati bilden (nicht corati) und ausserdem corayate (da P. I, 3, 74 sich, wie oben er- wiesen, auch auf das curâdinic bezieht). - Wenn Wester- gaard dem § 32 die Ueberschrift „parasmaipadinah“ giebt, so entspricht das also der Lehre der Dhatuortti nicht. Die Si. Kau. (pg. 248) schliesst sich auch hier ihrom Vor- bilde, der Dhâtuvrtti, an, bildet nur corayati (nicht corati, erwähnt die Frage, ob nic fakultativ sei, hier gar nicht, aber bei Vciti s. o.) und ausserdem corayate, mit Bezugnahme auf P. I, 3, 74. - Das Kâtantra lehrt nichts davon, dass in fakultativ sei (Kâ. III, 2, 11). Zu Kâ. III, 2, 45 (schliesst P. 1, 3, 74 ein) giebt Durgasimha direkt nichts an, was darauf schliessen liesse, dass er die Regel auch auf das in der curadi-wurzeln bezogen wissen wolle (sein Beispiel ist karayate, wie in der Kâçikâ). -
Digitize Google
Page 47
46
Vopadeva Mugdhabodha XVIJ, 1. curbhyo nir va l .. corayati | corayate | ... pakshe coratityâdi | -
Zweitens ist von Wichtigkeit Dhatupatha 33, 75: â svadah sakarmakât. Halâyudha kümmert sich nicht darum, ob diese Wurzeln sakarmaka sind oder nicht, or giebt ihnen auch als Intransitiven das Suffix nic. Das ist von Be -. deutung für die unter diesem adhikâra stehnden bháshârtháh (Dhp. 33, 79-109). Letztere werden von Halayudha nicht in der Bedeutung „reden“, oder, wie einige Grammatiker wollen, „leuchten“ (bhásartháh, diptau u. s. w.) gebraucht, sondern in den Bedeutungen, die sie in der Sprache sonst haben. Text der Dhatuvrtti: â svadah sakarmakât | atrânye svâda1) iti dirghopadham") pathanto vakshyamânam shvada 8) âsvadana (Dhp. 33, 130) iti dhâtum api dirghavantam pathanti | a kusmad (Dhp. 33 A.) itivad abhividhav ayam akarah | tena grasiprabhrtibhyah (Dhp. 33, 76) shvada âsvâdana itivakshyamânaparyantebhyah sakarmakebhya4) eva nij bhavati | idam ca sakarmakatvava- canam karmasápekshakriyâmátravacitve 5) | tenâprayujyamâne 'pi karmany ayam cidhir bhavati | ata eva 6) hi 7) Maitreyah sambhavikarmakân8) nij ity aha | uktam ca Purushakare sambhavikarmakatvakathanena 9) saty asati vâ karmanah pra- yoge tatsambhavamatre nij bhavatity uktam bhavati karmasam- bhavah punar anekârthatvenârthântaravacitayam 10) yatha- prayogaın drashtavya iti ca | karmakartrvishaye'py arthânta- ravrttivishayasamánam 11) iti na tasyeha prthagvishayatveno-
- alle Mss svddaya. 4) B. omabhya. 2) K. inser. pathitođ. svada. 3) Mss. 5) B. onam sakarmamrmakakriydmdtra- cacitvena te°; C. onamn sakarmakdpekshdkriyamdtravdcitvena te°. 6) K. atra era. 7) B. om. hi. 8) B. "bhavatka°: C. obhavatika°. 9) B. sambha- bhakkarmakatcam katham tena; C. obharatikaº. 10) K. punar ekdo. 11) 4. py arthdintaravrttivisamdnam K. py ayamtiravrttivisamanam. C. py arthamtaravishaye py arthdmtararrttirimamanam; B. opishaye samdnava-
Digitize Google
Page 48
47
pâdanam 13) || atra kecit pañcamîprakaranâbhyâm samnihi- tena nicarthapraptam evakaram sambadhnantah 13) sakar- makân nij eva bharatity akarmakât tu yathayogam ity âhuh | tad asad evakârasya sakarmakad iti çrutenânvaye 14) labdhe 'çrutenânvayâyogât | anena khalv abhiprâyena Mai- treyådayah sakarmakâd evety evam ryâkhyân 15) | atra matântaram apy âha Maitreya asvâda eva sakarmakad ity eka iti | tatha ca Kshirasvamy anpurvat 16) svadeh sakarmakân nij bhavatiti | ayam pakshah Purushakare dûshitah | tatra cabhividhipaksha eva yuktah pratyavabhasata ihapy anah purvapareshv 17) irabhividhyarthataya 18) evau- cityat | â kusmâd (Dhp. 33 A.) iti hi prvatrabhividhâv an drshtah | a dhrshad vety (Dhp. 34) a garvad (Dhp. 35 B.) iti ca 19) samanantaram evairaın drakshyate | tatrayam api tanmadhyapâti tacchâyaç cân 30) tadartha eva vyaktam31) arabhåsate | tad atra pakshântaram vyácakshánânâm âçayaç cintya9) iti i Der Inhalt dieser Dhatuortti - Stelle ist folgender: â svadah sakarmakât | Einige Grammatiker lesen svûdah statt svadah, und dann natürlich auch weiter unten bei Auf- führung der Wurzel selber (Dhp. 33, 130) â statt . Die dem svadah vorausgehnde Präposition â bedeutet: „bis - in- klusive“, grade so wie bei der Angabe: â kusmâd atmane- padinah (Dhp. 33 A.). â sradah sakarmakat bedeutet also: an die Wurzeln grasa. (Dhp. 33, 76) u. s. w. bis shrada (Dhp. 33, 130) inklusive tritt, nur wenn sie transitiv (sakarmaka) sind, das Suffix nic. Wenn bier nun gelehrt wird, dass die Verben mit einem Objekt versehen (sakarmaka) sein müssen, so soll das nur so viel heissen, dass sie eine Handlung be- zoichnen müssen, die ein Objekt (karma) voraussetzt. Also auch wenn das Objekt nicht ausgesprochen (sondern nur zu ergänzen) ist, tritt unsere Regel in Kraft. Deshalb sagt denn
mabharthdmtararrttirishaye samdnam. 12) A. K. otrenehopa". 19) K. praptayerakuram samratamah. 14) otenraye. 15) K. °khyutam B. okhyamn. 16) B. C. 'purrakut. 17) C. pardpareshr statt pue. 18) K. ^vidhyatdyd; B. rishyaryatayd: C. oridhyarthunoyu. 19) B. om. ca. 20) C. tachdyam dna: B. tataç cayam an. 21) K. eru raktarabhio. 22) B. °ya sthitya.
Digitize Google --
Page 49
48
auch Maitreya, nic würde an diese Verben gefügt, wenn sie in einem Sinne ständen, der den Gebrauch eines Objektes ermöglichte1). Dann führt die Dhâtuvrtti zwei hierauf be- zügliche Äusserungen des Purushukâra an: einerlei ob ein Objekt wirklich dastände oder nicht, schon wenn die Möglichkeit für ein solches vorhanden wäre, träte nic an die fraglichen Wurzeln; und ferner: ob nun die Möglichkeit für ein Objekt vorhanden wäre, das müsste, wenn die Wurzeln - weil jede ja viele Bedeutungen hätte1) - in einem andern (als ihrem gewöhnlichen) Sinne ständen, je nach dem Ge- brauch (also im einzelnen Falle) untersucht werden. Dann macht die Dhatuvrtti noch eine kurze Bemerkung über das Reflexivum: Wenn es sich um die Frage handele, ob cin Reflexivum vorliege, so sei genau so zu verfahren, wie wenn Verben dieser Reihe in einer von der gewöhnlichen ab- weichenden Bedeutung gebraucht würden, deshalb sei das Reflexivum hier nicht besonders behandelt worden. Mit dem nic, das man ja dem â svadah sakarmakât mit Rücksicht auf den Ablativ (okât; vgl P. I, 1, 67) und den ganzen augenblick- lich behandelten Abschnitt (nämlich den curâdigana), notwen- dig in Gedanken hinzufügen muss, verbinden einige Gramma- tiker das aus dem Sinne zu folgernde ega, und sagen: wenn diese Verben transitiv sind, nehmen sie nur nic an, wenn sie aber intransitiv sind, behandelt man sie so, wie man sie sonst auch behandeln würde. Das ist falsch - sagt die Dhâ-
- Hier sei auf eine Stelle des Mallindtha (zu Kirât. I, 5) hingewiesen: die Worte des Textes: hitan na yah samrnute sa kimpra- bhuh werden folgendermassen erklart: hitdd aptajanad dhitopadeshtuh sakūçât | âkhyâtopayoga (P. I, 4, 29) ity apadánatvâd pañcam! | na sainernute na crnoti | hitam iti ceshah | samo gamyrcchio (P. I, 3, 29) ityâdina sampurvâc chrnoter akarmakatvad âtmanepadam | akarmaka- toam vaivakshikam ; ... Nach Vartt. 2 zu P. I, 3, 29 (Malli- natha sagt einfach nach P. I, 3, 29; er wird eru in der Regel selbst gelesen haben, wie einige Texte es bieten) treten an sam + çru, wenn es intransitiv (akarmaka) ist, die Atmanepada-endungen; hier ist es intransitiv, also steht Atmanepada. Ob intransitiv oder transitiv hangt davon ab, wie der Redende die Sache darstellen will. . 2) dhutunam anekarthatvam ist ein sehr haufig in grammatischen Werken erscheinendes Princip.
Digitized by Google
Page 50
1
49
tuvrtti - denn das (zu erganzende) eva muss doch zu dem wirklich dastehnden sakarmakât konstruiert werden, und darf also nicht zu einem gar nicht dastehnden Worte (nic) ge- zogen werden. Dieser Auffassung folgend erklaren denn Maitreya und andere Grammatiker: nur wenn die Verben transitiv sind, tritt nic an (sonst nicht). Maitreya be- richtet auch noch von einer ganz anderen, von einigen Ge- lehrten vertretenen Ansicht, dass der Ausdruck asvadah sakarmakat nichts weiter besage, als dass das Verbum &+svad, wenn es transitiv sei, nic annehmen solle (asvadayati). Zu den Anhangern dieser Auffassung gehort Kshirasvamin. Zum Schlusse wird nun die Widerlegung angeführt, die Purusha- kara dieser Ansicht angedeihen lasst: hier schiene es nur an- gebracht, das d als „bis - inklusive“ zu fassen, da man das a hier doch ebenso auffassen müsste wie in den andern im curâdigana vorkommenden ganz analogen Ausdrücken: „ kusmát“, „a dhrshât“, „a garvát“, die unserem „â svadah“ teils kurz voraufgingen, teils dicht nachfolgten. Wodurch Kshirasramin und Andere zu ihrer abweichenden Ansicht geführt seien, bliebe unentschieden. Die Ansicht, die von Kshirasvamin vertreten wird, schreibt (nach Westergaard) Ramânâtha auch dem Çákatâyana zu. - Si. Kau. (pg. 253, 6) stimmt zur Dhâtuortti: svadim abhiprapya sambhavatkarmabhya eva ņic. -
Folgende Kommentaro sind bei der Ausgabe benutzt und in den Anmerkungen verwertet worden.
Zur alteren Recension: r. Glosse des Ravidharman, klar und verstandig. Im Anfang ausführlicher, dann spärlicher, schliesslich fast nur Erklarungen der Verbalformen 'bietend. Der. Verfasser ist ein Gelehrter der Kátantra-schule, wie die zahl- 4
Digitized by Google
Page 51
50
reichen Citate aus dieser Grammatik und ihrem Dhatupatha beweisen. 1) Ueber die Hdschr. s. u. Bu. - Das Werk heisst bei ihm auch Kaviguhya und Apacabdabhasa. Der Anfang lautet: om | arjam (1)1) namah l pitvaiva") çrutatoyâni yasyâh çudhyanti dehinah | munihamsasamakirnam tâm namâni Sarasvatim || 1 l Kaviguhyam prasattyadibhavagamyam anekadha | yasya yenopasargena dhatoh kavipadam kiyat | 2 |) arthatah çabdato vapi samân dhâtun*) nibadhnatâ | tatha Halayudhenedam krtam Kavirahasyakam |31 âbhâsante padâny atra pracurâny apaçabdavat | tadvishasamstvabhâvena (1) nibandhanam apekshate | 4 l| tatash tikaprasiddharthan ) vyakhyatum upayogini | mugdhabuddhiprabodhartham kriyate Ravidharmanal 5| gunanritâm suvarnadhyam 5) bahvartham vipulâm ghanâm | imâm aham na muñcâmi kshudrabhiter yunami 6) ca || 6 || naur iveha navâmbhodhir uttârâya viçâmi yâm 7) / gúdhatattvasamâyoga 8) bhidyate na jadair drdhâ |1 7 /l vicarayantu tâm santo mâtsaryena vivarjitâh | Halayudhakathakhyane nunam Narayanah kshamah | 8 kavih svakāvyâdau ishtadcvatānamaskáram karoti | tan- namaskârakaraņát *) punyasambháro bhavati | punyasambhâ- râd vighnavinâço jayate | tam vighnavinaçam manyamano9) Halayudhah praha Zum Schluss: kavyam Halayudhakrtam Kaviguhyanama khyateha tasya Ravidharmakrtasti tika | abhyasya tâm yadi vadanti budha viváde spashtaih kriyetarapadair 10) vijayam labhante | 1 1
- Auch die Abhidhanaratnamald wird citiert. 1) Ob an arham zu denken ist? Weber Catal. No. 1970, 1994, 2014, 2020 u. a. m. 2) Hdschr. pitcera. 3) Hdschr. samâna- dhâtnni°. 4) Prof. Kielhorns Konj .; Hdschr.° rtha. 5) Hdschr. surannodhyam. 7) Hdschr. çivamiyam. 6) Hdschr. yugami ca (ca auch als va zu lesen).
") Hdschr. skaranat. 8) Hdschr. gadhacattva° oder orattva". 9) Hdschr. mavyamano. 10) Bh a., das
Digitized by Google
Page 52
51
Apaçabdábhásákhye hávye tiká çatáni daça (!) vihitâ | çlokânâm adhikani tu vidusha 11) Ravidharmasamjñena ||2 | Dann folgen einigo Strophen ahnlich wie die des Kavi- rahasya: çastre pragalbhate kaçcid anyah çâstre pragalhate | çastre çástre ca sarvatra yah pragalbhâyate krti 13) 11 1 ll samsâragranthayo 13) yasya çlathante tattvadarçanât | vayasah pariname 'pi sâmarthyam na clathayate14) #1 2 vikasanti guņá yasya vibhavúç ca vikamsate 15) | kupate (!)16) dinalokeshu kupayaty (!) 1) atureshu ca I1 3 bhajate 17) bhaskaram bhaktya bhasate 13) tadrad ojasa | runaddhi ripurashtram yas tebhyo'rgham 19) anurudhyate30)4| adhikah çlokâh pratyantarât (1) I çu iti Çri-Kavirahasyatıká sampurņâ. Nach diesem Schluss folgen in der Hdschr. (s. u.) noch einige stellenweise verderbte Strophen ganz allgemeinen gram- matischen Inhalts, die vom Schroiber gemacht oder einem anderen Werke entnommon zu sein scheinen; so heisst z. B. die letzte Strophe: samjnâ ca paribhâshâ ca vidhir niyama eva ca | pratishedho 'dhikaraç ca shadvidham sâtralakshanam ityâdi I
r1. Glosse eines Anonymus. Nach dem Dhtupâtha des Hemacandra gearbeitet. Dieser Grammatiker wird viel
diese beiden Schlussstrophen (obgleich es den Kommentar des Ra- vidharman nicht enthalt) gleichfalls bietet, licst kriyumtara". 11) Bha. kavina statt ridusha. 12) Über die Verbalformen vgl. Anm. zu a, 102. 13) Hdschr. "sdram gra .. 14) Verbalf. vgl. Anm. zu
payati beruben offenbar auf Schreibfehler. Es ist krpate oder krapate; a, 129. 15) s. Glossar unter kas und kams. 16) kupate und ku-
krpayati oder krapayati. Naheres in den Anmerkungen, s. Glossar unter krp und krap. 17) Dhp. 23, 29. 18) Dhp. 16, 23. 19) 'rgham oder 'rtham zu lesen. 20) s. Anm, zu a, 199.
Digitized by Google
Page 53
52
citiert. ri ist durchaus von Ravidharman abhangig, hat vieles wortlich aus ihm herubergenommen, vieles gokurzt. Über die Hdschr. s. u.
Zur jüngeren Recension: 1) Kommentar von anonymem Verfasser; in einer Hdschr. t und einem Druck vl (s. u.). Ohne individuelles Gepräge, nur Citate aus dem Dhâtuptha enthaltend. Für die Erklärung wertlos, nur für die Textrekonstruktion von Wichtigkeit. Ich habe die Angaben aus ihm nach t und vl geschieden. 2) v. Gleichfalls ohne Verfassernamen. Auch dieses Scholion beschränkt sich auf Anführungen aus dem Dhtupâtha. Es halt genau Schritt mit der unten erwähnten Handschriften- gruppe C.A.Bhß, und ist nach einem von ihrem x ab- hängigen Ms. gearbeitet. Hdschr. s. u.
Für die Ausgabe der beiden Recensionen stand mir folgendes handschriftliche und gedruckte Material zu Gebote:
a) längere Recension: Bü. 28 Bl. Korrekt. Vorzugliche Jainaschrift. Aus Prof. Bühler's Handschriftensammlung; jetzt in der Bibliothek des India Office. Kurz erwahnt Ztschr. d. d. morg. Ges. 42, 540. Das Ms., 200-300 Jahre alt, bietet nach jeder Strophe des Textes die oben charakterisierte Glosse des Ravidharman (r.). Die Zeichen für v und c werden promiscue gebraucht; b und ch, sowie p und Anfangs-e sind identisch. th und gh kommen sich oft so nahe, dass rein graphisch cine Scheidung unmöglich ware. Ich habe die Hdschr. mit Dr. Rost's und Prof. Bühler's gutiger Erlaubnis langere Zeit benutzen dürfen. D. = Ind. Off. 2539 c (Eggeling 930).
Digitized by Google
Page 54
53
Bha. Eine auf Prof. Kielhorn's Veranlassung von Dr. Bhandarkar in zuvorkommendster Weise besorgte saubere Abschrift eines Manuskriptes aus Pâtan in Gujarât (Bhândârkar, Report 8). D. und Bha. stimmen des Öfteren in Fehlern überein, und dürften deshalb auf eine gemeinsame Quelle führen. In Fallen, die nicht zu entscheiden waren, habe ich Bü. als der weitaus besten Handschrift vor D. und Bha. den Vorzug gegeben.
Handschriften der Kommentare zur langeren Recension: r. in Bü. r1. = Ind. Off. 2539d (Eggeling 931). Geschrieben offenbar von derselben Hand wie D. Vor der Erklärung jeder Strophe ist gewöhnlich der Anfang des Textes (ein oder zwei Worte) gegeben (z. B. eko'pîti; na kshâmyatiti). Diese Anfänge stimmen in Fehlern mit D. überein, auch wo der Komm. selbst richtig gelesen hat, sind also von einem Schreiber aus D. oder D's Vorlage abgeschrieben und der cigentlichen Erklärung vorgesetzt.
- jüngere Recension: B. - Ind. Off. 346b (Eggeling 926). Sehr inkorrekt. L. Calcutta-druck des Lakshmi-Narayana vom Jahre 2244.5 1830/31 (Gildemeister, Bibl. pg 112); in Bengali- charakteren, etwas besser als B, aber immer noch sehr fehlerhaft. Titel: Vopadevakrtadhatupathah Durgadasakrta dhutupathadipika ca Kavirahasyam Kavirahasya- vinrtiç ca Kalikâtâmahânagare çâstraprakâçamu- d[r]âyantre Çrî-Lakshmt- Narâyana nyayalankareņa mudritubhut. Cakabdah 1752. Samvat 1887. 80. Das Buch scheint selten zu sein. Mir hat das Exemplar der Roy. As. Soc. of Gr. Br. and Irel. fur langere Zeit zur Verfügung gestanden.
Digitized by Google
Page 55
54
T. Kavirahasyam, or a root-lexicon within a poem. By Bhatta-Halayu dha editod with notes by Sourindro Mohun Tagore ... Calcutta 1879. 80. Stimmt fast durchweg zu L. Mit wertloser Ein- lcitung, cinem dhatuvivarana und in Sanskrit geschriebenen Noten, die zeigen, dass der Herausgeber in den meisten Fallen richtig verstanden hat. Der Text ist durchaus unkritisch. Varianten sind fast nio angegeben. Von der Existenz der längeren Recension ist dem Heraus- geber nichts bekannt gewesen. F. Florentiner Ms. Sehr schone Bengalischrift. Dasselbe stand mir vor einigen Wochen durch Prof. Pa- volini's Güte für eine Kollation zur Verfügung. Es stimmt recht genau zu T., was erklarlich wird, wenn man die auf einem Vorblatte stehnde englische Widmung und den Schluss der Handschrift ansieht. For submission. To the Oriental Congress of Florence. With Sourindro Mohun Tagore's highest esteem and most distinguished consideration. Calcutta 29/8/78. Schluss: çake khabinduvasvindau1) randhrayugmaprame (!) tathâ 1 çravanasyalikhad idam Candr anto Mahimadvijah mahânubhávasya 3) krtino rajnah Çriyuta- Çaurindra- Mo- haņasya Thukurakulatilakasya likhitam idam anumatyâ | çriçri-Harir jayati " Also Çâke 1800 - A. D. 1878. F. wird in den kritischen Noten nur dann citiert, wenn es eine andere Lesart als T. bietet. G. Abdruck des jüngeren Kavirahasya in der Gran- tharatnamala Bombay 1888. Derselbe ist mir nach Vorlegung der Arbeit zu Ge- sichte gekommen. Ich werde bei der Publikation des Textes über ihn referieren.3)
- geschr. ocashrindau. 2) geschr. obhavasya. 3) Dieser Abdruck ist auch in einem neuen Umschlage mit der Jahreszahl 1891 im Buchhandel (Iyeshtaram Mukundjee's Catalogue 1892 No. 575.
Digitized by Google
Page 56
55
In einigen Fallen stimmen B. einerseits und L. T. andererseits in Fehlern überein, so dass man cin Zurück- gchn auf gemeinsame Quelle vermuten muss. Hierzu der oben besprochene anonyme Kommentar in doppelter Quelle: t. Bengalihandschr. - Ind. Off. 726b (Eggeling 928) vl. die von Lakshmt- Naryana abgedruckte Glosse. Eine scharf geschlossene Gruppe unter den Handschriften der jüngeren Recension bilden: A. - Ind. Off. 2535 b (Eggeling 925) C. = Ind. Off, 890c (Eggeling 927) Bh B. Eine von Dr. Bhandarkar besorgte saubere Abschrift eines Manuskripts „from the Maratha country“. Die Handschriften stimmen fast in jeder Strophe in Fehlern übercin, sie gehn also mit Sicherheit anf cin x zurück. Dazu Kommentarhandschrift: v. = Ind. Off. 45b (Eggeling 929). Zum Gluck ist die Uberlieferung des eigentlichen Kavi- rahasya, der längeren Recension, im allgemeinen ziemlich gut zu nennen, so dass ich glaube, abgesehen von einigen Strophen, einen verhaltnismassig sichern Text bieten zu können. Leider gilt dasselbe mit nichten von der jüngeren Recension. Bei einer Reihe von Strophen ist eine der- artige Verwirrung in die Handschriften geraten, dass die Aussicht, bei der kritischen Herstellung des Textes thatsäch- lich das Richtige zu treffen, oft gering wurde. Bei der Auswahl der Lesarten habe ich das Princip be- folgt, offenbare Schreibfehler und rein orthographische Ab- weichungen (wie z. B. Verdoppelung nach r und h) unberück- sichtigt zu lassen, dagegen alle wirklichen varias lectiones und eventuelle Korruptelen von solchen genau anzuführen. Manchem werde ich zu weit gegangen sein; allein ich wollte mir lieber den Vorwurf zuziehen, Wertloses erwahnt zu haben, als den, an Wesentlichem mit Stillschweigen vorüber- gegangen zu sein.
Digitize Google -
Page 57
56
Ebenso sind bei den Citaten aus den Kommentaren in den er- klärenden Anmerkungen offenbare Schreibfehler stillschweigend verbessert. Dagegen ist jede, auch die vollig auf der Hand liegende, Konjektur, durch Angabe der handschriftlichen Le- sung, als solche gekennzeichnet. So weit die Worte der Kommentare für die Textgestaltung von Wichtigkeit waren, sind sie bei den Lesarten angeführt, dann aber natürlich verbotenus.
Nachtrag. Die Vaijayantî, deren Verhaltnis zur Abhidhana- ratnamala noch zu untersuchen ist, s. Buhler, Ind. Ant. XVIII, 185. (vgl. oben S. 20), kommt mir erst jetzt zu Ge- sichte. In derselben finden sich folgende der oben S. 23 ff. behandelten Wörter: jalaranku 26, 22. kadal (nicht kadalî) kariņam ketuh 111, 172. kankapattra 119, 361. khalúrikâ 120, 388.
Digitized by Google
Page 58
Lebenslauf.
Ieh, Ludwig Heller, bin am 18. August 1866 zu Trave- münde bei Lübeck geboren als Sohn des Pastors D. Ludwig Heller und seiner Ehefrau Sophie, geb. Jantzen. Von Ostern 1878 bis Ostern 1886 besuchte ich das Gymnasium zu Lübeck. Am 29. Juni 1878 verlor ich meinen Vater durch den Tod. Nachdem ich vom 1. April 1886 bis zum 1. April 1887 in Erlangen meiner Militärpflicht genügt hatte, bezog ich die Universität Göttingen, auf der ich mich bis zum Sommer-Semester 1893 aufgehalten habe. Ich besuchte die Vorlesungen der Herren Professoren Bechtel, Brandl, Dziatzko, Heyne, Kielhorn, Lange, W. Meyer, W. Muller, Pietschmann, Roethe, Sauppe, v. Wilamo- witz. Allen meinen verehrten Lehrern sage ich hiermit meinen aufrichtigen Dank.
Digitize Google